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Reaktionen auf den Tod Helmut Kohls : "Kohl war ein Glücksfall für uns Deutsche"

Angela Merkel würdigt Ex-Kanzler Kohl als großen Europäer. Ex-US-Präsident George H. W. Bush sieht Kohl als Inspiration. Kohls Sohn Walter trauert um den Vater.

Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht am 10.08.2009 den ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl (beide CDU) in seinem Haus in Oggersheim (Rheinland-Pfalz). Der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) starb im Alter von 87 Jahren am 16. Juni 2017.
Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht am 10.08.2009 den ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl (beide CDU) in seinem Haus in...Foto: dpa

Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel hat das politische Leben von Helmut Kohl gewürdigt. "Helmut Kohl war ein Glücksfall für uns Deutsche", sagte sie. Er habe die historische Dimension der glückhaften Wochen 1989 erkannt und geschickt die Gunst der Stunde genutzt. "Das war höchste Staatskunst im Dienste der Menschen."

Auch ihr Leben habe Kohl beeinflusst. "Ich bin ganz persönlich dankbar, dass es ihn gegeben hat", erklärte Merkel. "So wird er in unserer Erinnerung weiterleben - als großer Europäer und Kanzler der Einheit."

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hob den politischen Instinkt Kohls hervor. "Sein politischer Instinkt, seine große Erfahrung und seine herausragende Begabung, Vertrauen bei unseren Nachbarn und Partnern zu gewinnen, haben ihn dazu befähigt, eine einmalige historische Chance zu erkennen und sie mit Entschlossenheit zu ergreifen.“

Steinmeier: "Kohl hat mit Mut, Weitblick und Führungskraft 1989 regiert"

Er habe 1989 das Heft des Handelns in die Hand genommen und "die Wiedervereinigung Deutschlands im Einvernehmen mit unseren Nachbarn" zustande gebracht. "Es war ein Glück, das Kohl 1989 mit Mut, Weitblick und Führungskraft regiert hat." Er sei zutiefst überzeugter Europäer. Außerdem sei das atlantische Bündnis eine Herzensangelegenheit Kohls gewesen.

Auch andere aktive und ehemalige Staats- und Regierungschefs weltweit haben nach dem Tod von Helmut Kohl die politischen Leistungen des Ex-Kanzlers hervorgehoben. Ex-US-Präsident Georg H. W. Bush würdigte Kohls Einsatz für die Freiheit. Er sei "einen der größten Staatenlenker von Nachkriegs-Europa" gewesen. "Die Arbeit mit meinem engen Freund an einem friedlichen Ende des Kalten Krieges und der Wiedervereinigung Deutschlands innerhalb der Nato wird für immer einer der größten Freuden in meinem Leben bleiben. Helmut war ein Fels in der Brandung." Sein Leben werde künftige Generationen von Staatschefs beeinflussen und inspirieren.

Bundeskanzler Helmut Kohl, CDU, machte mit seiner Frau und dem Ehepaar George und Barbara Bush eine Schiffahrt zur Loreley im Dezember 1989.
Bundeskanzler Helmut Kohl, CDU, machte mit seiner Frau und dem Ehepaar George und Barbara Bush eine Schiffahrt zur Loreley im...Foto: Imago

Nach dem Fall der Mauer hatten Bush und Kohl bei der Erstellung des Zwei-Plus-Vier-Vertrages zusammengearbeitet und so den Weg zur Deutschen Einheit geebnet.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu würdigte Kohl als Freund Israels. „Seine Sympathie für Israel und den Zionismus ist bei vielen Treffen mit mir deutlich geworden, und in seiner entschlossenen Haltung für Israel, die er immer wieder in Europa und internationalen Foren gezeigt hat.“

Bill Clinton: "Kohl hat eine der monumentalsten Fragen seiner Zeit beantwortet"

Der frühere US-Präsident Bill Clinton hat zum Tod von Helmut Kohl dessen visionäre Führungskraft gewürdigt. Damit habe Kohl Deutschland und Europa auf das 21. Jahrhundert vorbereitet. „Er war aufgerufen, einige der monumentalsten Fragen seiner Zeit zu beantworten“, heißt es in einem von Clinton verbreiteten Statement. „Indem er sie richtig beantwortete, machte er die Wiedervereinigung eines starken, prosperierenden Deutschlands möglich und die Schaffung der Europäischen Union.“
Clinton, der von 1993 bis 2001 US-Präsident war, erinnerte sich an einen Berlin-Besuch nach der Wiedervereinigung: „Ich werde nie vergessen, wie ich mit ihm 1994 durch das Brandenburger Tor gegangen bin, zu einer Großkundgebung auf der Ostseite, als ich echte Hoffnung in den Augen Zehntausender junger Menschen gesehen habe“, heißt es in der Erklärung Clintons. „Ich wusste in diesem Moment, dass Helmut Kohl der Mann war, der ihnen dabei helfen konnte, ihre Träume zu verwirklichen.“ Und er fügte hinzu: „Die Geschichte zeigt auch weiterhin, dass er geliefert hat.“
Gemeinsam mit seiner Frau Hillary kondolierte Clinton der Familie Kohls, darunter seiner Ehefrau Maike und den Söhnen Walter und Peter, sowie dem deutschen Volk.

US-Präsident Donald Trump hat den verstorbenen Altkanzler Helmut Kohl als "Freund und Verbündeten" der USA gewürdigt. Trump reagierte am Freitagabend (Ortszeit) mit einer Erklärung auf Kohls Tod - Stunden später als seine Vorgänger im Amt, George Bush und Bill Clinton, sowie zahlreiche Staats- und Regierungschefs in aller Welt.

In der vom Weißen Haus veröffentlichten Erklärung hieß es, Kohl sei nicht nur der "Vater der deutschen Wiedervereinigung", sondern auch ein Anwalt Europas und der transatlantischen Beziehungen gewesen. Die Welt habe von seinen Visionen und Anstrengungen profitiert und sein Vermächtnis werde fortbestehen.

Michail Gorbatschow: „Kohl hinterlässt Spuren in der Weltgeschichte“

Der russische Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow hat Ex-Kanzler Helmut Kohl als herrausragenden Politiker gewürdigt, der deutliche Spuren in der Weltgeschichte hinterlässt. „Die Deutschen haben Helmut Kohl den Spitznamen „Kanzler der deutschen Einheit“ gegeben. Das ist richtig und gerecht“, erklärte Gorbatschow am Freitagabend in Moskau.

In Kohls Amtszeit seien bedeutende Ereignisse gefallen wie das Ende des atomaren Wettrüstens, des Kalten Krieges, der Fall der Berliner Mauer und die deutsche Wiedervereinigung. Diese Ereignisse seien auch riskant gewesen, schrieb der 86-Jährige auf seiner Webseite. „Es war ein großes Glück, dass in dieser schwierigen Zeit an der Spitze der führenden Mächte Staatsmänner waren, die Verantwortungsbewusstsein hatten, die die Interessen ihrer Länder entschlossen vertreten haben, aber die auch in der Lage waren, die Interessen der anderen zu berücksichtigen.“

Walter Kohl: „Sie sehen einen Menschen, der sehr traurig ist.“

Walter Kohl hat sich vom Tod seines Vaters tief betroffen gezeigt. Er habe während einer Autofahrt im Radio davon erfahren, sagte der 53-Jährige vor dem Haus seines Vaters in Ludwigshafen-Oggersheim. Nach seinen Worten hatte Helmut Kohl den Kontakt zu ihm und dem jüngeren Bruder Peter vor längerer Zeit abgebrochen. Auch zu den Enkelkindern habe es keinen Kontakt mehr gegeben. Er selbst habe das letzte Mal im Sommer 2011 mit seinem Vater telefoniert und habe ihn danach nicht mehr besuchen dürfen.
„Sie sehen einen Menschen, der sehr traurig ist“, sagte Walter Kohl vor Journalisten. Er sei zuvor am Totenbett seines Vaters gewesen. Helmut Kohl sei ein Mann gewesen, der sehr viel für den Frieden in Europa getan habe.

Henry Kissinger: „Verlust eines engen und verlässlichen persönlichen Freundes“

Der frühere US-Außenminister Henry Kissinger betrauerte Kohls Tod als „Verlust eines engen und verlässlichen persönlichen Freundes“. „Helmut Kohl war eine historische Figur, die entscheidend zur Deutschen Wiedervereinigung, der Europäischen Einigung und der transatlantischen Partnerschaft beigetragen hat“, heißt es in dem Statement Kissingers, das sein Büro am Freitag verbreitete. Kissinger, der im fränkischen Fürth geboren worden war, war von 1973 bis 1977 US-Außenminister und galt auch danach als einflussreiche Stimme in der amerikanischen Außenpolitik.

Gerhard Schröder: "Für seine historische Leistung habe ich größten Respekt"

Gerhard Schröder (SPD) löste Helmut Kohl 1998 als Kanzler ab. Er würdigte Kohl als großen Patrioten und Europäer. „Die Einigung unseres Landes und unseres Kontinents wird auf alle Zeit auch mit seinem Namen verbunden bleiben“, sagte Schröder dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.. „Obwohl wir im Jahr 1998 einen harten Wahlkampf gegeneinander geführt haben und in vielen politischen Fragen weit auseinanderlagen und -liegen habe ich für seine historische Leistung größten Respekt.“ Schröder blieb bis 2005 im Amt und ist nun der einzige noch lebende Altkanzler.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sagte: "Ich bin in großer Trauer über den Tod von Helmut Kohl, meinem engen Freund. Er hat mich auf allen europäischen Wegen geleitet und begleitet."

Der neue französische Staatspräsident Emmanuel Macron würdigte ebenfalls die Leistungen Helmut Kohls. Vor allem hob er seine Bedeutung für die deutsch-französische Freundschaft hervor.

Die FDP würdigte das politische Wirken von Helmut Kohl ebenfalls. "Helmut Kohl war Kanzler der Einheit & leidenschaftlicher Europäer. Er hat eine Generation politisch geprägt. Wir verneigen uns vor ihm", schreibt FDP-Chef Christian Lindner auf Twitter. Mit der FDP koalierte Kohl 18 Jahre.

Kremlchef Wladimir Putin würdigte Kohl einen „prinzipiellen Verfechter freundschaftlicher Beziehungen“ zwischen Berlin und Moskau. „Ich hatte das Glück, persönlich mit Helmut Kohl sprechen zu können“, schrieb Putin am Freitagabend in einem Beileidstelegramm an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel. „Ich habe seine Weisheit bewundert und seine Fähigkeit, fundierte, zukunftsweisende Entscheidungen auch in schwierigsten Situationen zu treffen.“  Mit dem Namen dieses herausragenden Menschen seien die wichtigsten Ereignisse der modernen deutschen Geschichte verbunden, teilte der Kreml in Moskau mit.

Auch parteipolitische Gegner würdigten Kohl. SPD-Chef Martin Schulz hat Helmut Kohl "Anerkennung für sein politisches Lebenswerk" gezollt. Kohl habe "historische Weichen für Deutschland und Europa gestellt und sich Verdienste erworben, die Bestand haben und nicht vergessen werden", schrieb Schulz laut einer Mitteilung am Freitag an Kohls Witwe Maike Kohl-Richter. Es sei Kohls "Geistesgegenwart, seinem politischen Mut und seiner Führungsstärke zu verdanken, dass die Wiederherstellung der deutschen Einheit möglich wurde".

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) erklärte: "Es ist ein wirklich großer Deutscher und vor allem ein großer Europäer gestorben."

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hat mit Betroffenheit und Trauer auf den Tod von Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl reagiert. „Die Berlinerinnen und Berliner werden nie den Anteil vergessen, den Helmut Kohl an der friedlichen Wiedervereinigung und damit letztlich auch an der Einheit Berlins hatte“, erklärte der SPD-Politiker am Freitag.

„Helmut Kohl hat sich um Deutschland und seine Hauptstadt verdient gemacht“, sagte Müller weiter. „Wir denken an diesem Tag daher auch daran, dass er stets an Berlin als Hauptstadt festgehalten und sich in der Debatte um den Sitz von Parlament und Regierung klar zum Umzug nach Berlin bekannt hat.“

Gysi: "Ich bin auch ein bisschen traurig"

Linke-Politiker Gregor Gysi sagte: "Ich bin auch ein bisschen traurig." Gemeinsam mit Francois Mitterand habe Kohl die Einigung Europas vorangebracht. Die Wiedervereinigung hätte es vermutlich auch ohne Kohl gegeben. "Aber anders", sagte Gysi. "Er war offensichtlich ein guter Verhandler."

"Man kann sich nur vor seinen historischen Leistungen verneigen. Als Pfälzer, Deutscher, Europäer prägte er eine Ära", twitterte Reinhard Bütikofer (Grüne).

(Tsp, dpa)

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