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Reaktionen auf Trump-Interview : Angela Merkel: Habe Gespräch mit Interesse gelesen

Der künftige US-Präsident Donald Trump hat im Interview unter anderem gesagt, was er von der Nato und der EU hält. Die Nato ist unruhig. Sigmar Gabriel mahnt zur Gelassenheit.

Angela Merkel.
Angela Merkel.Foto: Oliver Dietze/dpa

Die Bundesregierung hat zurückhaltend auf das Interview der Bild und der englischen "Times" mit dem künftigen US-Präsidenten Donald Trump reagiert. Bundeskanzlerin Angela Merkel habe das Interview mit Interesse gelesen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Die Positionen der Kanzlerin zur Flüchtlingspolitik, zur Europäischen Union und zur transatlantischen Partnerschaft seien bekannt. "Nun warten wir, wie es sich gehört, die Amtseinführung des Präsidenten Trump ab und werden dann mit der neuen Regierung eng zusammenarbeiten", so Seibert.

Es sei falsch, "jede Bemerkung in diesem Interview oder anderswo per Twitter so auf die Goldwaage zu legen, dass wir dem immer hinterherlaufen und sofort reagieren", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts. Man orientierte sich an Aussagen aus dem Interview, aber auch an anderen Aussagen Trumps. "Was da für ein Bild entsteht, ist vorsichtig gesagt widersprüchlich."

Auch in der EU und bei der Nato lösen die jüngsten Interview-Äußerungen des designierte US-Präsidenten Donald Trump Unruhe aus. Dass er die Nato für obsolet betrachte, sei bei der Nato mit Besorgnis aufgenommen worden, sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier nach einem Gespräch mit Generalsekretär Jens Stoltenberg in Brüssel. "Wir müssen sehen, was daraus für die amerikanische Politik folgt."

Mit Blick auf die EU sprach Steinmeier die Äußerungen Trumps zu möglichen Strafzöllen auf importierte Autos an. "Wir gehen davon aus, dass unser amerikanischer Partner sich auch weiterhin an die völkerrechtlichen Verpflichtungen und WTO-Regelungen hält", sagte Steinmeier. Die WTO ist die Welthandelsorganisation.

"Im Vergleich zu Trump mit George W. Bush fast eine Liebesbeziehung"

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) mahnte angesichts der Kritik Trumps an deutschen Autoherstellern zur Gelassenheit. "Ich kann nur raten aufgrund solcher Positionen nicht hektisch zu werden, sondern abzuwarten, was passiert", sagte der SPD-Chef bei einer Talkrunde auf „bild.de“. Deutschland sei nicht unterlegen, es sei ein starkes Land und müsse jetzt selbstbewusst sein. Gabriel sagte zu Trumps Androhung von Strafzöllen: "Die amerikanische Autoindustrie wird dadurch schlechter, schwächer und teurer." Außerdem würden sich die USA ziemlich umgucken, wenn Trump auch die Zulieferteile mit Strafzöllen belege.

Der außenpolitische Sprecher der SPD, Niels Annen, hat die Äußerungen des künftigen US-Präsidenten Donald Trump im Interview mit "Bild" und "Times" als "schockierend" bezeichnet. "Das war widersprüchlich und zum Teil wirr", sagte Annen im ZDF-"Morgenmagazin". Trump habe eine Attitüde gezeigt, "die nichts von Partnerschaft ausdrückt", sagte Annen.

"Im Vergleich zu dem, was uns jetzt erwartet, war das mit George W. Bush fast eine Liebesbeziehung", sagte Annen mit Bezug auf den 43. Präsidenten der USA, unter dessen Regierung das deutsch-amerikanische Verhältnis schwierig war. "Wir müssen uns auf harte Zeiten einstellen." (Tsp/dpa)

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