Politik : Rebellen gegen Regierungstruppen

In der Kodori-Schlucht im Kaukasus kämpfen georgische Soldaten gegen abchasische Milizen

Elke Windisch

Moskau - Markige Erklärungen tauschten die Außenämter Russlands und Georgiens schon vergangene Woche aus. Seit Dienstag wird scharf geschossen, die ersten vier verwundeten Soldaten Georgiens liegen inzwischen im Krankenhaus. Georgien spricht von einer Polizeioperation und bittet die internationale Gemeinschaft um Verständnis. In Moskau, wo man fürchtet, Tiflis wolle die abtrünnige Schwarzmeer-Region Abchasien mit Gewalt heim ins Reich holen, sieht Außenamtssprecher Michail Kamynin „die unmittelbare Sicherheit Russlands berührt“ und fordert Gewaltverzicht.

Dienstag früh waren rund 500 georgische Soldaten in die Kodori-Schlucht einmarschiert. Eigentlich gehört das schwer zugängliche Gebirgsmassiv zu Abchasien, das sich 1992 von Georgien lossagte. Im anschließenden Bürgerkrieg scheiterten die Separatisten jedoch an den schroffen Hängen und an mangelnder Ortskenntnis, 1994 nahm Georgien die Schlucht formell wieder in Besitz. Inzwischen herrschen in der Region lokale Milizen. Weil Anführer Emsar Kwiziani Entwaffnungs-Forderungen von Georgiens Staatschef Michail Saakaschwili nicht nachkam, setzte Tiflis Truppen in Marsch.

Während Georgien die Vorgänge als „bewaffneten Aufstand und Verschwörung mit den Separatisten und Russland“ wertet, sehen diese den Einsatz in der Kodori-Schlucht als Auftakt zu einer militärischen Intervention Georgiens in Abchasien. Dafür spricht aus Sicht der Separatisten auch, dass Georgien mit Panzern und Artillerie anrückte. Zudem werfen die Russen Georgien den Bruch von Abkommen vor, die die Schlucht zur entmilitarisierten Zone erklären. Anhänger der Verschwörungstheorie machen geltend, dass der Anlass für die militärische Intervention in der Schlucht eine Serie von Morden an Lokalgrößen war und ziehen Parallelen zu Südossetien, wo die georgische Zentralregierung seit 1992 nichts mehr zu melden hat.

Von dort aber will Russlands Inlandsgeheimdienst FSB vergangene Woche die Warnung erhalten haben, Tiflis wolle sich mit Morden in Dörfern mit georgischer Bevölkerung einen Vorwand verschaffen, um auch Südossetien mit Gewalt unter das Dach der georgischen Verfassung zu zwingen. Tiflis schoss prompt zurück, zumal Moskaus Verteidigungsminister Sergej Iwanow die Steilvorlage frei Haus lieferte: Russlands gegenwärtige Manöver im Kaukasus dienten nicht der Abwehr von Extremisten, sondern dem Schutz russischer Bürger. Dazu gehört inzwischen auch die Mehrheit der Bevölkerung in Südossetien und Abchasien.

Auslöser für das Säbelgerassel im Kaukasus waren Forderungen nach dem Abzug der russischen Blauhelme. Von einer Friedensmission Moskaus, so Georgiens Parlamentschefin Nino Burdschanadse, könne die Rede nicht sein. Russlands Präsident Wladimir Putin war nicht bereit, mit Saakaschwili über einen Abzug auch nur zu reden. Für Beobachter ein sicheres Indiz, dass die Spannungen anhalten und womöglich weiter eskalieren werden.

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