Politik : Rebellen in Sierra Leone gegen Blauhelm-Verstärkungen

Rebellenführer Foday Sankoh hat die Vereinten Nationen im Zusammenhang mit der Geiselnahme von fast 70 UN-Vertretern in Sierra Leone eindringlich vor "Provokationen" gewarnt. In einem BBC-Exklusivinterview sagte Sankoh am Freitag, die mögliche Verstärkung von UN-Truppen rund um die Hochburgen seiner Guerilla Revolutionäre Vereinigte Front (RUF) sei "ein großer Fehler".

Ungeachtet weltweiter Proteste hielten die Rebellen inzwischen 69 Blauhelm-Soldaten und andere UN-Vertreter gefangen, fast 20 mehr als noch am Vortag. Außerdem hätten sie inzwischen 23 Angehörige eines indischen Bataillons der UN-Friedenstruppen eingekesselt, teilte UN-Sprecherin Marie Okabe in New York mit. Zu einigen anderen der insgesamt fast 9000 Mann starken UN-Verbände sei der Kontakt abgerissen. "Die Lage ist nach wie vor sehr unübersichtlich und gespannt", sagte Okabe.

Die Blauhelmsoldaten waren zur Überwachung eines im vergangenen Jahr vereinbarten Friedensabkommens nach Sierra Leone geschickt worden. Es sieht unter anderem vor, dass die 50 000 RUF-Guerillas bis zur Abhaltung freier Wahlen Anfang des Jahres 2001 ihre Waffen abgeben. Jedoch kommt die Entwaffnung nur schleppend voran.

Zur Unterstützung der UN-Friedenstruppen hat das russische Militär indes die Verlegung eines Hubschrauber-Geschwaders nach Sierra Leone angekündigt. Damit entspreche Moskau einer Bitte der Vereinten Nationen, berichtete am Freitag die Agentur Interfax unter Berufung auf das Verteidigungsministerium. Unter den in Sierra Leone gefangen gehaltenen Blauhelm-Soldaten befindet sich auch ein russischer Offizier.

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