Politik : Rechnung mit Promibonus

Hotelangestellte sagen als Zeugen im Prozess gegen Christian Wulff aus – und entlasten ihn etwas.

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Hannover - Jemand, für den Diskretion zum Geschäft gehört, tut sich schwer mit Aussagen vor Gericht. So ein Mann ist Anton M., Empfangschef im Bayerischen Hof in München, dem ersten Haus am Platz. Nun ist er Zeuge im Korruptionsprozess gegen den früheren Bundespräsidenten Christian Wulff und seinen Freund und Mitangeklagten David Groenewold. Nach den Statements der beiden in der vergangenen Woche, in denen sie ihre Unschuld beteuerten, ging es am Donnerstag vor dem Landgericht Hannover in die Beweisaufnahme. Sie wird kleinteilig werden, das deutet sich an.

Es geht um die Details der Oktoberfesteinladung im September 2008, bei der Groenewold für Wulff und seine Familie Hotel- und Restaurantkosten übernommen haben soll. Vorteilsannahme lautet der Vorwurf, weil der damalige niedersächsische Ministerpräsident sich später dienstlich für ein Projekt des Filmunternehmers verwendet haben soll. Doch was wusste der angeblich Eingeladene von seiner Einladung? Eine juristisch entscheidende Frage. Wulff sagt, er habe die – für seine 100-Quadratmeter-Suite sehr moderaten – Kosten selbst bezahlt. 400 Euro für Wulffs Zimmer soll jedoch Groenewold überwiesen haben. Der Hof-Stammgast spricht davon, knapp die Hälfte der Hotelkosten nur übernommen zu haben, weil sie insgesamt höher waren als dem Freund gegenüber angekündigt.

Dem Empfangschef ist erkennbar unwohl dabei, die Gepflogenheiten für gehobene Gäste zu erläutern. Dass zum Beispiel Zimmer für knapp zweitausend Euro pro Nacht auch zu Standardpreisen von einigen hundert Euro vergeben werden. Anton M., der damals das Paar begrüßte, ist sich sicher, dass Wulff von der Kostenübernahme nichts gewusst haben muss. Richter Frank Rosenow will es genau wissen, fragt nach Standard-, Superior- und Deluxekategorien, Informationsrechnungen und Reservierungsmasken. Der Zeuge muss versprechen, noch Details nachzureichen. Groenewold hatte den Ausflug zum Oktoberfest als private Veranstaltung arrangiert, sagt sein Anwalt. Eingeladen waren unter anderem die Wulffs, der Verleger Hubert Burda und die Schauspielerin Maria Furtwängler.

Christian Wulff sitzt da, knetet sein Kinn und amüsiert sich manchmal. Vor dem Saal sagt er: „Man hat das Gefühl, Kafka hätte über diesen Prozess geschrieben.“ Eine Anspielung auf Kafkas Parabel „Der Schlag ans Hoftor“, in der sich ein Mann wegen öffentlicher Schuldzuweisungen für eine Tat verantworten muss, die er nicht begangen hat. Drei weitere Zeugen aus dem Hotelbetrieb treten auf – die Details führen nicht weiter. Wulffs Anwälte fühlen sich ermutigt. Sie wollen Zeugen aus der CDU und der niedersächsischen Staatskanzlei früher hören als geplant. Sie sollen belegen, dass Wulff von Groenewolds Großzügigkeit nicht nur nichts wusste, sondern auch nichts hatte. Partei- und Landeskasse hätten sonst die Kosten getragen. Richter Rosenow schiebt das auf. „Erst wollen wir noch hören, was die anderen Zeugen zu sagen haben.“Jost Müller-Neuhof

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