Rechtsextremismus : Aufregung in Delmenhorst

Die geplante Hotelschenkung an eine rechtsradikale Stiftung löst bei den Delmenhorstern Empörung aus. Die Bürgerinitiativen kämpfen weiter gegen das beabsichtigte Schulungszentrum.

Delmenhorst - Die Nachricht hat sich am Dienstagmittag in Delmenhorst noch nicht herumgesprochen. Vor dem Hotel, dessen geplanter Verkauf an Neonazis seit Wochen für erhitzte Diskussionen sorgt, fegen zwei junge Frauen Laub zusammen. Im Park füttert ein Ehepaar Schwäne, zwei Angler werfen ihre Ruten aus. Dass der örtliche Hoteleigentümer Günther Mergel daran denkt, seine Immobilie der als rechtsextrem geltenden Wilhelm-Tietjen-Stiftung des Hamburger Anwalts Jürgen Rieger zu schenken, bringt den Mann, der den Schwan füttert, in Rage. "Wenn er das wirklich macht, dann kommt doch kein Mensch mehr nach Delmenhorst", schimpft er, während er einem Schwan einen dicken Brotbrocken hinwirft.

Verstehen kann der Mann den Hotelier dennoch. Die Stadt habe Mergel schließlich nicht geholfen. "Nimmt man jemandem die Wirtschaftlichkeit, muss man sich hinterher nicht wundern", findet seine Frau. Mergel wolle doch nicht mehr, als von seinen Schulden herunterkommen.

Bürgerinitativen gegründet

Seit Ende Juli bekannt wurde, dass Mergel plant, seine seit mehr als einem Jahr leer stehende Immobilie in der Delmenhorster Innenstadt für 3,4 Millionen Euro an Rieger zu verkaufen, regt sich breiter Protest in der Stadt mit 80.000 Einwohnern. Die Menschen sind auf die Straßen gegangen, Bürgerinitiativen wurden gegründet. Eine von ihnen sammelt Geld, um der Stadt zu ermöglichen, das Hotel selbst zu kaufen. Der Sprecher der Initiative "Für Delmenhorst", Gerd Renker, warnt nach der angekündigten Schenkung vor Panik. "Noch ist nichts in trockenen Tüchern", sagt er.

Im Aktionsbüro des "Forums gegen Rechts" in der DGB-Geschäftsstelle sind die Leute ähnlicher Meinung. "Unsere Aktionen laufen so weiter wie geplant", sagte DGB-Kreisverbandschef Ulrich Kelm. Das Büro war in der vergangenen Woche gegründet worden, um die Delmenhorster über die Absichten Riegers zu informieren. "Das bleibt auch weiterhin unsere Aufgabe", sagt Kelm. Seit dem Vormittag sitzt er mit Kollegen beim Krisengespräch. Immer wieder klingelt das Telefon. Aufgeregte Menschen rufen an.

Schenkung: "Schlag ins Gesicht"

Mittwochabend soll es vermutlich eine weitere Kundgebung geben, wie Kelm sagt. Für Horst Kölnner, Kelms Stellvertreter, war die Nachricht von der Schenkung wie ein "Schlag ins Gesicht". Auch seine Frau Ulli war "sprachlos". Den Anglern im Stadtpark ist es hingegen völlig egal, ob der Hotelier seine Drohung wahr macht oder nicht. "Wir haben keine Angst vor den Nazis", sagt einer von ihnen und fügt hinzu: "Uns Anglern werden sie schon nichts tun."

In der Innenstadt reagieren die Menschen dagegen betroffen. Kioskverkäuferin Gretel Rahn fehlen die Worte. Nach einigen Sekunden sagt sie: "Ich bin platt." Auch Heinz Dauelsberg vom Buchhandel und Bürobedarf Dauelsberg ist entsetzt: "Wenn das kommt, ziehen hier doch keine jungen Familien mehr her. Und welcher Wirtschaftszweig will sich dann hier noch ansiedeln", fragt er. Er hofft, dass die Schenkung noch verhindert werden kann. Für ihn selbst hätte die Schenkung fatale Auswirkungen. "Wenn es hier dann jede Woche Demonstrationen gibt, kann ich mein Geschäft nach hundertjähriger Firmentradition dicht machen." (tso/ddp)

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