Politik : Rechtsextremismus: Kanzler: Übergroße Mehrheit ist klar gegen Rassismus

Tissy Bruns

Der Kanzler verneigte sich und verharrte eine halbe Minute. Auf der letzten Etappe seiner Reise durch den Osten, einen Tag nach der Urteilsverkündung gegen die Adriano-Mörder, legte Gerhard Schröder Blumen am Mahnmal nieder. Ein ungeplanter und überraschender Teil seiner Reise.

Danach begann das ursprünglich vorgesehene Besuchsprogramm in Dessau mit einem Besuch des "Europagymnasiums". "Was ist eigentlich europäische Identität?" fragten sich Lehrer, Schüler und Kanzler in einer Diskussion, die das Thema Fremdenfeindlichkeit und Rassismus unweigerlich berührte. Die Diskussion habe ihm klar gemacht, dass diese Schülergeneration wirklich europäisch sei, sagte der Kanzler danach vor den Schülern, die sich auf dem Schulhof versammelt hatten. Toleranz, sagte der Kanzler, entstehe gerade dadurch, "dass man die eigene kulturelle Identität weiß und dadurch die Kraft hat, andere Kulturen und Menschen mit Neugier und tiefem Respekt anzusehen." Die übergroße Mehrheit, sagte Schröder, sei klar gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, da gebe es auch keinen Unterschied zwischen Ost und West.

Doch es ging nicht nur ernst zu. "Herr Schröder, Herr Schröder", riefen die Jungen und Mädchen beim Empfang für den Kanzler - und hielten ihm kopierte Titelblätter des Satiremagazins "Eulenspiegel" entgegen, das den Regierungschef und seine Gattin karikiert hatte. Schröder gab bereitwillig Autogramme.

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