Politik : Rechtsextremismus: Lange Haft für Brandanschlag

Wegen des Brandanschlags auf ein Asylbewerberheim in Ludwigshafen sind am Dienstag vier Skinheads zu zweieinhalb bis fünf Jahren Jugendhaft verurteilt worden. Wie Gerichtssprecher Christian Köneke vom Landgericht Frankenthal mitteilte, wurden die Jugendlichen im Alter von 15 bis 18 Jahren des versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung und versuchter schwerer Brandstiftung schuldig befunden.

Die Verurteilten hatten im Juli einen Molotow-Cocktail in einen Schlafraum des Heims geworfen. Dabei wurden drei Kinder verletzt; einer Elfjährigen musste wegen ihrer schweren Brandverletzungen Haut transplantiert werden. Das Gericht sei davon ausgegangen, dass die Jugendlichen den Tod der Menschen billigend in Kauf genommen hätten, da sie ihre Opfer in der erleuchteten Wohnung sehen konnten, sagte Köneke. Als Tatmotiv stellte das Gericht Fremdenfeindlichkeit fest. Den Verurteilten sei "rechtsradikales Gedankengut nicht fremd gewesen", berichtete der Sprecher aus der Sitzung. Die Verhandlung war wegen des jugendlichen Alters der Angeklagten nicht öffentlich.

Als Haupttäter ermittelte das Landgericht den 18-Jährigen. Er wurde nach Jugendstrafrecht verurteilt. Bei einer Verurteilung nach Erwachsenenstrafrecht hätte dem Arbeitslosen noch eine höhere Strafe gedroht. Das Gericht verurteilte außerdem einen 16-jährigen Arbeitslosen und einen 15-jährigen Schüler zu jeweils dreieinhalb Jahren Jugendhaft. Ein zur Tatzeit noch 14-jähriger, heute 15 Jahre alter Schüler wurde zu zweieinhalb Jahren verurteilt.

Die Tat stand im Sommer in einer Reihe von Anschlägen auf Ausländer und hatte bundesweites Aufsehen hervorgerufen. Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Paul Spiegel, hatte nach dem Anschlag einen stark zunehmenden Rechtsradikalismus in Deutschland beklagt.

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