Politik : Rechtsextremismus: Orte des Hasses und der Gewalt

Zusammengestellt von Frank Jansen

Die Strafen: für den Anführer lebenslänglich, für die beiden anderen lange Jahre Haft. Das Urteil zeigt

Der Rechtsstaat ist handlungsfähig. Rechte Gewalt aber fordert den Staat weiter heraus. Eine Dokumentation der Ereignisse im August

Tatorte

Wismar. Ein 20-Jähriger wirft einen Brandsatz in eine leerstehende Kindertagesstätte, weil er darin Obdachlose vermutet. In dem Gebäude hält sich zur Tatzeit jedoch niemand auf. Der Brandstifter wird kurz darauf festgenommen. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung findet die Polizei einen Mitgliedsausweis der NPD.

Bielefeld. Ein Skinhead versetzt einem 13-jährigen Farbigen einen Faustschlag ins Gesicht. Der Schläger wird zwei Tage später festgenommen.

Jena. Eine Gruppe junger Rechtsextremisten schlägt zwei niederländische Studenten.

Schweinrich. Vier Neonazis spielen bei einem Lagerfeuer am Rande des nordbrandenburgischen Dorfes rechtsextreme Musik ab und grölen Parolen. Die Polizei nimmt die Männer im Alter von 18 bis 22 Jahren fest und beschlagnahmt Musikkassetten sowie eine Fahne mit Keltenkreuz, einem international genutzten Symbol von Neofaschisten.

Karlsruhe. Der ehemaligen RAF-Terrorist Horst Mahler stellt einen Mitgliedsantrag bei der NPD und ruft alle "Deutschdenkenden" auf, sich "um Deutschlands willen bedingungslos vor die NPD zu stellen".

Wittenberge. Ein 24-jähriger Mann attackiert in einem Zug nahe der nordbrandenburgischen Stadt ausländische Fahrgäste. Ein dunkelhäutiger Mann und ein Italiener werden ins Gesicht geschlagen. Die Polizei nimmt den 24-Jährigen in Wittenberge fest.

Herne. 16 Rechtsextremisten greifen in der westfälischen Stadt einen Afrikaner an. Zuvor hatten sie rassistische Parolen gebrüllt. Die Polizei nimmt neun Täter fest.

Deggendorf. Bei dem Überfall einer Skinhead-Clique werden in dem bayerischen Ort zwei Männer schwer verletzt, als sie ihren südländisch aussehenden Bekannten schützen wollen.

Tostedt. Ungefähr 250 Mitglieder und Sympathisanten der NPD-Jugendorganisation "Junge Nationaldemokraten" marschieren in dem Ort am Rande Hamburgs auf.

Freilassing. Ein Aufgebot von 500 Polizisten verhindert in Oberbayern, dass sich 50 Rechtsextremisten trotz eines Verbots zu einer Demonstration versammeln.

Rockenhausen/Dielkirchen. Die jüdischen Friedhöfe in den beiden Gemeinden in Rheinland-Pfalz werden geschändet. An insgesamt elf Gräbern entdeckt die Polizei Hakenkreuze und SS-Runen.

Bamberg. Die Polizei vereitelt in der ostfränkischen Stadt einen Sprengstoffanschlag auf ein Haus, in dem Juden wohnen. Das bayerische Landeskriminalamt schließt einen rechtsextremen Hintergrund nicht aus und bildet eine Sonderkommission.

Königs Wusterhausen. Die Polizei findet bei einem einschlägig bekannten Neonazi Material für den Bau einer Rohrbombe. Der Mann war bereits im Mai aufgefallen, als er einem Berliner Rechtsextremisten ein Präzisionsgewehr mit Zielfernrohr, Schalldämpfer und Munition abkaufen wollte.

Delitzsch. Ein 19-jähriger Neonazi sticht in dem sächsischen Ort einen Aussiedlerjungen nieder.

Gera. Fünf Männer beschimpfen in einer Diskothek zwei Pakistanis. Die Angreifer treten außerdem mit ihren Stiefeln auf die Asiaten ein, eines der Opfer erleidet einen Kieferbruch. Die Täter werden festgenommen.

Gotha. Drei Rechtsextremisten verprügeln einen 17-Jährigen und versuchen, ihn von einer drei Meter hohen Brüstung zu stürzen. Das Opfer wird schwer verletzt. Passanten greifen ein, die Polizei nimmt die Schläger fest.

Chemnitz. Zwei Jugendliche überfallen eine Kinder- und Notfalleinrichtung. Die Scheiben werden eingeworfen und die anwesenden ausländischen Kinder bedroht.

Arnbruck. Rechtsextremisten randalieren auf einem Volksfest in der niederbayerischen Stadt und rufen "Sieg Heil".

Wuppertal. Zwei Männer beleidigen einen dunkelhäutigen Mann und bedrohen ihn mit einem Messer.

Eisenach. Rechtsextremisten jagen Asylbewerber durch die Stadt. Wenige Tage später wird ein Sprengstoffanschlag auf einen türkischen Imbiss verübt. Die Polizei nimmt einen 19-jährigen Neonazi fest.

Mahlow. Rechte Jugendliche schlagen und treten in dem brandenburgischen Dorf einen Angolaner.

Hannover. Die Polizei nimmt drei Rechtsextremisten fest, die am jüdischen Mahnmal in der Innenstadt ein Hakenkreuz aus Kerzenwachs anbringen wollen.

Stuttgart/Heidelberg. Bei der Durchsuchung der Wohnungen von zwei Neonazis entdeckt die Polizei Waffen, Übungsmunition, Fahnen, rechtes Propagandamaterial und verbotene CDs. Die beiden jungen Männer werden außerdem beschuldigt, im Internet Homepages mit volksverhetzendem Inhalt betrieben zu haben.

Templin. Unbekannte bringen in der nordbrandenburgischen Stadt rund 200 Aufkleber mit rechtsextremistischen Parolen an Schaufenstern, Verkehrsschildern und einer Tafel zur Erinnerung an Juden an. Außerdem werden an zwei Brücken der nahen Autobahn zwischen Berlin und Stettin Transparente gespannt, auf denen Rudolf Heß glorifiziert wird. In den brandenburgischen Orten Kyritz, Wittstock, Kremnitz und Guben entfernt die Polizei Plakate mit Hinweisen auf den 13. Todestag von Heß. In mehreren Bundesländern verhindert die Polizei Märsche und Kundgebungen von Neonazis, die Rudolf Heß feiern wollen.

Auf einen unbesetzten Asia-Imbiss wird ein Brandanschlag verübt. Die Polizei nimmt als Tatverdächtige drei Rechtsextremisten fest.

Hamburg. 150 Neonazis halten vor der Zentrale des Axel-Springer-Verlags eine "Mahnwache" ab, um gegen die Berichterstattung der "Bild"-Zeitung über Rechtsextremismus zu protestieren.

Eberswalde. Drei Männer beleidigen und würgen zwei türkische Imbiss-Mitarbeiter. Die Polizei nimmt das Trio fest.

Teltow. Ein dunkelhäutiger Berliner und sein Potsdamer Bekannter werden in und vor einer Diskothek in dem brandenburgischen Ort angepöbelt. Ein Türsteher reißt den Berliner zu Boden. Nach Angaben von Zeugen stehen mindestens vier Polizisten daneben und greifen nicht ein. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun gegen die Beamten wegen des Verdachts auf Strafvereitelung.

Halle. Mehr als 100 Neonazis marschieren auf, um gegen die von Politikern erhobene Forderung nach einem NPD-Verbot zu protestieren.

Bad Langensalza. Vier Russland-Deutsche werden in dem thüringischen Ort von sieben Rechtsextremisten mit Zaunlatten bedroht und gejagt.

Wittenberge. Das Rathaus wird mit Hakenkreuzen, SS-Runen und Naziparolen beschmiert.

Halberstadt. Ein 17-Jähriger wird von zwei Rechtsextremisten durch Messerstiche schwer verletzt.

Glöwen. Rechtsextremisten werfen in dem brandenburgischen Ort mit Bierflaschen um sich und grölen "Sieg Heil". Die Polizei nimmt vier junge Männer fest.

Barmstedt. Drei Skinheads verprügeln in der schleswig-holsteinischen Stadt einen Afrikaner.

Hof. Unbekannte verüben einen Brandanschlag auf ein Asylbewerberheim in der fränkischen Stadt. Die Polizei vermutet einen rechtsextremen Hintergrund.

Kaltenkirchen. Eine Gruppe Neonazis überfällt drei Türken und demoliert deren Wagen. Die Türken können flüchten.

Guben. Der Gedenkstein für den Algerier Farid Guendoul, der 1999 bei einer rechtsextremen Hetzjagd ums Leben kam, wird zum sechsten Mal geschändet. Diesmal wird ein Hakenkreuz in die Tafel auf dem Stein geritzt.

Nienhagen. Berliner Schüler werden in dem mecklenburgischen Ort angepöbelt und mit Steinen und Bierflaschen beworfen. Ein Stein trifft einen dunkelhäutigen Schüler.

Lübeck. Ein 33 Jahre alter Afrikaner wird von zwei Männern zusammengeschlagen. Die beiden 26 und 28 Jahre alten mutmaßlichen Täter, die nach polizeilichen Erkenntnissen aus der Lübecker Skinheadszene kommen, können festgenommen werden.

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