Politik : Rein spekulativ

Robert von Rimscha

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Dreimal pro Woche sitzen die Sprecher aller Ministerien und des Kanzlers im großen Saal der Bundespressekonferenz. Die ist der Gastgeber, und die Regierung steht Rede und Antwort. Mit den Antworten hapert es manchmal, aber das steckt in der Natur der Sache. Die Sprecher suchen verzweifelt nach Signal-Verben in den Presse-Fragen. Taucht dort ein „wünschen“, „wollen“ oder „gern haben“ auf, dann fängt die Antwort mit dem Satz an: „Wir wünschen uns gar nichts, und wenn wir uns etwas wünschten, wäre es unerheblich. Wir machen Politik.“ Besonders beliebt ist zudem der Hinweis, hypothetische, spekulative oder im Konjunktiv formulierte Fragen seien unbeantwortbar.

Manchmal allerdings gibt es konkrete Aussagen. Die Terminübersicht des Bundespresseamts verzeichnete für diesen Mittwoch um 12 Uhr einen Auftritt von Kanzler Schröder und Finanzminister Eichel zum Etat 2004. Hier handele es sich um eine Fehlinformation; der frisch aus dem deutschen Camp David (Neuhardenberg) zurückgekehrte Schröder müsse doch zum Sachsentag und könne daher aus terminlichen Gründen nicht kommen, sagte des Kanzlers Sprecher. Es folgte ein heftiges Hin und Her: Der Gastgeber, die Bundespressekonferenz, wusste noch gar nichts von der Doppel-Absage Schröders und Eichels. Konnte sie auch nicht. Die kam nämlich erst, und zwar telefonisch, am Montagmittag. Was Eichel angeht, hatte sie eine geringe Halbwertszeit: Der Minister kommt nun doch. Fragen nach dem Erscheinen des Kanzlers indes werden künftig nicht mehr beantwortet, sondern mit Hinweis auf ihren rein spekulativen, hypothetischen und konjunktivistischen Charakter verworfen. Basta.

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