Renten-Erhöhung : Sozialverband fordert Inflationsausgleich

Für Westrentner gibt es im Juli trotz Preissteigerungen nur 0,25 Prozent mehr. Der Sozialverband VdK fordert für deshalb eine Entschädigung.

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Rentner im Westen gehen diesmal bei der Rentenanpassung fast leer aus. Für Ostrentner gibt es so viel wie seit Jahren nicht mehr.
Rentner im Westen gehen diesmal bei der Rentenanpassung fast leer aus. Für Ostrentner gibt es so viel wie seit Jahren nicht mehr.Foto: dpa

Der Sozialverband VdK hat die Regierung aufgefordert, den Rentnern wegen der geringen Erhöhung ihrer Altersbezüge einen Inflationsausgleich zu gewähren. Die vorgesehene Rentenanpassung um 0,25 Prozent für die 16,6 Millionen Westrentner liege weit unter der Preissteigerungsrate und die Betroffenen verlören immer weiter an Kaufkraft, sagte Verbandpräsidentin Ulrike Mascher dem Tagesspiegel. Sie verlangte, den Riesterfaktor, der die Rentenanpassung um 0,6 Punkte schmälert, bereits in diesem Jahr und nicht, wie vorgesehen, erst im nächsten Jahr abzuschaffen.

Es sei nicht hinzunehmen, dass sich die Regierung auf den Gesetzes-Mechanismus zurückziehe und die magere Anpassung mit der geltenden Rentenformel rechtfertige, sagte Mascher. Die Formel sei keine „eherne Gesetzestafel“. Seit 1990 hätten die Regierenden „so häufig daran herumgeschraubt, dass keiner behaupten kann, sie wäre unantastbar“.

Mit dem Riesterfaktor, der in diesem Jahr zum letzten Mal wirken soll, wird berücksichtigt, wie stark die Versicherten durch die Beiträge zur staatlich geförderten, zusätzlichen Altersvorsorge belastet sind. Allerdings verringere dieser Faktor die gesetzlichen Renten aller Versicherten, sagte die VdK-Präsidentin, obwohl nur knapp die Hälfte der Beitragszahler eine Riester-Rente abgeschlossen hat.

Längerfristig müssten alle Dämpfungsfaktoren abgeschafft werden, forderte Mascher. Das wäre neben dem Riesterfaktor vor allem der so genannte Nachhaltigkeitsfaktor, der das zahlenmäßige Verhältnis von Rentenbeziehern zu Beitragszahlern berücksichtigt. Der Nachholfaktor, mit dem unterbliebene Rentenminderungen der Vergangenheit in den Folgejahren ausgeglichen werden, gilt momentan nur noch für die westdeutschen Rentner. Er hat ihre rechnerisch mögliche Anpassung dieses Jahr nochmals um 0,25 Prozentpunkte verringert.

Ohne die Dämpfungsfaktoren wäre die „Mini-Anpassung“ im Westen dieses Jahr deutlich höher ausgefallen, sagte die Verbandschefin. Und auch durch die „kurzatmige Beitragssenkung“ um 0,7 Punkte fehlten den Rentnern nun Milliarden. Seit dem Jahr 2000 sei ihre Kaufkraft beständig gesunken – im Osten um knapp 22, im Westen um rund 17 Prozent.

Der Verband berichtete von einer „Flut an Anrufen, Briefen und Mails“, mit denen Betroffene aus Westdeutschland bereits ihrem Unmut über die faktische Rentenkürzung in diesem Jahr Ausdruck verliehen. Einen finanziellen Ausgleich allein für die betroffenen Westrentner lehnte die Präsidentin dennoch ab. Es gelte der Grundsatz der Gleichbehandlung, sagte sie. Und es sei auch positiv, dass die „mühsame Angleichung der Rentenwerte in Ost und West“ mit der deutlich höheren Anpassung für Ostrentner um 3,29 Prozent endlich wieder ein Stück vorangekommen sei.

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