• Rettung verwundeter Soldaten aus Krisengebieten: Kritik an Leyens geplantem Hubschrauberverband

Rettung verwundeter Soldaten aus Krisengebieten : Kritik an Leyens geplantem Hubschrauberverband

Mit den Hubschraubern sollen Verwundete aus Kampfgebieten gerettet werden. Der von mehreren Ländern getragene Verband soll in Deutschland stationiert werden. Doch die Pläne sind noch vage, deshalb gibt es Kritik.

Fliegendes Gerät mit Mängeln: Ein Transporthubschrauber vom Typ NH90 der Bundeswehr steht beim Transporthubschrauberregiment 10 in Faßberg (Niedersachsen).
Fliegendes Gerät mit Mängeln: Ein Transporthubschrauber vom Typ NH90 der Bundeswehr steht beim Transporthubschrauberregiment 10...Foto: dpa

Der von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen geplante Aufbau eines multinationalen Hubschrauberverbandes zur Rettung verwundeter Soldaten aus Kampfgebieten nimmt langsam Gestalt an. Für die neue Einheit sollen bis zu 22 Hubschrauber des Typs NH-90 von Airbus beschafft und in Deutschland stationiert werden. Die Rückmeldungen der europäischen Partner zu der Idee seien positiv, schrieb Rüstungsstaatssekretärin Katrin Suder in einer Unterrichtung des Haushaltsausschusses, die der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch vorlag.
“Erste Nationen haben bereits Gesprächsbereitschaft signalisiert“. Die Detailplanungen zu Personalstärke und Beschaffungsmodalitäten sollten voraussichtlich bis Mitte des Jahres abgeschlossen sein. Unmittelbar danach seien vertiefende Gespräche mit den potenziellen Partnernationen vorgesehen.


Nach bisheriger Planung sollten die Kosten für Kauf und Betrieb der Hubschrauber unter den Partnern aufgeteilt werden, schrieb Suder. Der Personalbedarf werde bei etwa 400 Dienstposten liegen, die ebenfalls von den Nationen gemeinsam gestellt werden sollten. Deutschland sei bereit, bei Personal und Infrastruktur in Vorleistung zu treten. Die Kosten ließen sich bisher noch nicht abschätzen. Auf die Partnernationen ging Suder in ihrem Schreiben nicht ein. In der Vergangenheit hatte es aber geheißen, unter anderem die Niederländer hätten Interesse bekundet. Die sogenannten Medevac-Hubschrauber können verwundete Soldaten aus Kampfgebieten retten. Sie sind dazu stets im Doppelpack unterwegs: Eine Maschine ist mit Medizintechnik ausgestattet, die zweite fliegt bewaffnet zu ihrem Schutz mit.
Der Grünen-Haushaltsexperte Tobias Lindner kritisierte die Unklarheit, die noch in vielen Punkten herrsche. “Der gefeierte multinationale Hubschrauberverband entpuppt sich als Idee, bei der noch die meisten Fragen offen sind“, sagte er.

Kritik an Hubschrauber-Geschäft der Bundeswehr mit Airbus


Der Haushaltsausschuss des Bundestags entscheidet am Nachmittag über ein milliardenschweres Hubschrauber-Geschäft der Bundeswehr mit Airbus, das unter anderem den umstrittenen Kauf von 18 Marine-Helikoptern des Typs “Sea Lion“ umfasst. Zudem reduziert die Bundeswehr darin ihre Bestellungen für Kampfhubschrauber des Typs Tiger und Transporthelikopter des Typs NH-90 wegen der Verkleinerung der Armee, sichert sich aber die Option zum Kauf von 22 NH-90 für den Medevac-Verband. Lindner kritisiert den Deal als schlechtes Geschäft für die Bundeswehr. Er wirft dem Ministerium vor, nicht hart genug mit Airbus verhandelt zu haben.

Unterdessen wurde bekannt, dass beim Militärhubschrauber NH90 noch häufiger Triebwerksprobleme aufgetreten sind als bisher bekannt. Das geht aus einem Brief von Staatssekretärin Katrin Suder an den Haushaltsausschuss des Bundestages hervor. Die Bundeswehr verfügt zur Zeit über 38 Transporthubschrauber vom Typ NH90. In dem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, heißt es: „Die Firma Airbus Helicopters informierte das BMVg über weitere Fälle von Triebwerk-Stagnation.“ International seien demnach insgesamt 19 Vorfälle bekannt. Nach Angaben eines Sprechers des Ministeriums musste in drei Fällen der Flug beendet werden. (rtr/dpa)

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