Politik : Rinderwahnsinn: Eine Krankheit, die bis heute nicht heilbar ist

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Häufig beginnt es mit Gedächtnis-, Konzentrations- und Merkstörungen, die die Umgebung eines Patienten an eine Alzheimer-Erkrankung denken lassen. Doch Muskelstarre, Zittern, Krampfanfälle, Schluckstörungen, Delirium und Wahnbilder wie bei einer Psychose, eine fortschreitende Persönlichkeitsveränderung, der Verlust der intellektuellen Fähigkeiten, am Ende die Unfähigkeit, mit der Umwelt Kontakt aufzunehmen, kommen hinzu: Das Creutzfeldt-Jakob-Syndrom ist eine seltene und schreckliche Krankheit des Zentralnervensystems. Die Erkrankung, die meist im Zeitraum zwischen einigen Monaten und wenigen Jahren zum Tod führt und heute noch nicht behandelt werden kann, wurde nach zwei deutschen Nervenärzten benannt, die sie zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts erstmals beschrieben hatten. Man unterscheidet eine erbliche Variante und die infektiöse Form, wie sie in der Vergangenheit nach Behandlungen mit natürlichen Wachstumshormonen oder nach Hornhautübertragungen vereinzelt auftrat.

Keine Reaktion des Immunsystems

Inzwischen ist es aber sehr wahrscheinlich, dass auch die bei Rindern gefundene tödliche Hirnkrankheit aus der gleichen Familie, die Bovine Spongiforme Enzephalopathie - BSE - die Artengrenze überschreiten und beim Menschen eine besondere Form der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK) auslösen kann. Die zehn Fälle, die in England im Jahr 1995 innerhalb von sechs Monaten auftraten, hatten alle einen atypischen, untereinander aber auffallend ähnlichen Verlauf und betrafen vor allem jüngere Patienten. Krankheitserreger wie Viren oder Bakterien wurden jedoch nicht identifiziert. Wie die 1986 erstmals beschriebene Rinderseuche BSE und die Schafskrankheit Scrapie wird auch das Creutzfeldt-Jakob-Syndrom vermutlich von Prionen ausgelöst. Das sind Eiweißmoleküle, die in infiziertem Gewebe gefunden worden sind. Die Prionen binden sich wahrscheinlich an Nervenzellen und töten sie schließlich ab. Die Mediziner fanden keinen Hinweis auf eine Reaktion des Immunsystems. Bei Untersuchungen der Gehirne Verstorbener werden schwammartige Veränderungen festgestellt. Die genauen Überträgermechanismen und das Ausmaß möglicher Infektionen sind bisher noch unbekannt.

Von Jahr zu Jahr mehr Todesfälle

Britische Wissenschaftler fürchten einen deutlichen Anstieg der Todesfälle. "Momentan verdoppeln sich die CJK-Fälle, die wir erkennen, jedes Jahr", sagte der britische Mikrobiologe Stephen Dealler. Sollte diese Entwicklung dauerhaft anhalten, müsse man mit CJK-Fällen in Millionenhöhe rechnen. Derzeit könne aber niemand etwas genaues prognostizieren. An der BSE-ähnlichen Variante der CJK sind in Großbritannien bisher 82 Menschen gestorben. Allein im Jahr 2000 starben nach einem Bericht des "Guardian" bisher 25 Menschen an der menschlichen BSE-Form. Zuvor seien es etwa zehn pro Jahr gewesen. Wie die "Sunday Times" berichtete, haben Berater der britischen Regierung errechnet, dass vom September nächsten Jahres an ein Mensch pro Woche und von 2003 an ein Mensch pro Tag der Krankheit zum Opfer fallen werde.

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