Politik : Rinderwahnsinn: Klee statt Tiermehl

Ulrike Fokken

Von Genugtuung wollen die ökologisch produzierenden Landwirte nichts wissen. Sie fordern zwar seit Jahren, dass die Agrarpolitik sich um die bäuerlichen Betriebe und nicht um die Agrarkonzerne kümmert. Dass Tiermehl im Futter nichts zu suchen hat, ebenso wenig wie Antibiotika, Hormone oder Dioxine. Die artgerecht produzierenden Landwirte sind auch gegen die Subventionen für die Agrokonzerne nach Fläche und Masse und die staatliche Unterstützung von Dumpingpreisen für Exporte in Entwicklungsländer oder die Weltagrarmarkterzeugung. Sie wollen gesunde Lebensmittel produzieren und sie als verantwortungsbewusste Landwirte an verantwortungsbewusste Verbraucher verkaufen.

"Ohne uns gäbe es keine praktische Versorgungsalternative", sagte am Montag Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und Vorsitzender des Agrarausschusses des Europäischen Parlaments, bei der Vorstellung eines gemeinsamen Aufrufes für eine "Landwirtschaftswende". Die aktuell brandende BSE-Krise zeige, dass die Politik in der Vergangenheit "falsche Rahmenbedingungen gesetzt" habe. Die bis zu 50 Millionen Euro im Jahr an Agrarsubventionen werden "einseitig zu Lasten der bäuerlichen Betriebe eingesetzt", sagte Baringdorf. Der Bauernverband habe jahrelang die falschen Forderungen an die Politik gestellt. So erweise es sich nun als schwerer Fehler, dass der Verband nicht auf der Kennzeichnung von Tierfutter bestanden habe. So konnte Tiermehl in das Kraftfutter gelangen.

Doch auch die deutschen Landwirtschaftsminister haben das Problem BSE ignoriert. Jochen Borchert (CDU), Vorgänger von Amtsinhaber Karl-Heinz Funke, hat noch vor fünf Jahren dafür gesorgt, dass BSE-Risikomaterialien wie Hirn weiterhin in die Wurst kommen durften. Verboten wurde dies erst ab dem 1. Oktober 2000. Baringdorf ist wie seine Mitstreiter von Agrarbündnis, Neuland, Greenpeace, Euronatur und der Katholischen Landjugendbewegung skeptisch gegenüber der Neuorientierung der Agrarpolitik. "Wenn der Kanzler sich hinter den Begriff der Größe zurückzieht, haben wir verloren", sagte Friedrich von Homeyer vom Agrarbündnis. Die Größe eines Betriebes sage nichts über die artgerechte Tierhaltung aus, sondern einzig die Art der Bewirtschaftung. Die Bauernbetriebe bekommen aber trotz höheren Arbeitsbedarfs nur ein Zehntel der Förderung.

Baringdorf ist auch skeptisch, ob sich die EU-Landwirtschaftsminister gegen die Chemiekonzerne durchsetzen. Nach einem EU-Tiermehlverbot würde wohl vermehrt Klee als Eiweißfutter angebaut werden. Der braucht aber weniger Stickstoffdünger.

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