Politik : Rinderwahnsinn: Test-Verfahren

Adelheid Müller-Lissner

Wird es bald einen BSE-Test für lebende und jüngere Tiere geben? Hoffnungen darauf machen seit Sonntag Mitteilungen der Firma Vetmedica, einer vor allem auf Impfstoffe für Tiere spezialisierten Tochter des Pharmaunternehmens Boehringer Ingelheim. Man sei mit der Entwicklung eines Bluttests beschäftigt, der eventuell schon im Spätsommer 2001 auf den Markt kommen könne, sagte Geschäftsführer Dietrich Janott. Eine Blutprobe des zu testenden Tieres wird dafür mit spezifischen Antikörpern in Kontakt gebracht. Diese Stoffe sind eine Antwort des Immunsystems eines mit dem Erreger infizierten Tieres. Um zu erkennen, ob sie im Test-Tier auf Prionen treffen und mit ihnen reagieren, werden sie mit einem Leuchtstoff markiert.

Dass sich die krankhaft veränderten Prionen auch im Blut befinden, ist schon seit einiger Zeit bekannt. Um sie dort nachweisen zu können, braucht man jedoch besonders empfindliche Verfahren. Nach Einschätzung von Kerstin Borchers vom Institut für Virologie der FU-Veterinärmedizin ist die Nachricht vom kommenden Bluttest deshalb sehr positiv, weil offensichtlich neue Verfahren zur Produktion von Antikörpern und zur Anreicherung des Bluts entwickelt wurden.

Erstaunlich ist für Branchenkenner allerdings, dass eine Firma den neuen Test ankündigt, die bisher nicht als Spezialistin für Prionen-Nachweise hervortrat. Wie Arturo Donetti, Leiter der Abteilung Forschung und Entwicklung bei Vetmedica, sagte, arbeitet man mit einer externen Institution zusammen. Denn Arbeitsgruppen aus der Schweiz und aus Frankreich, die zuvor bereits Gewebe-Tests entwickelt hatten, arbeiten schon seit geraumer Zeit daran. Zudem stellen sich, wie Kerstin Borchers betonte, neue Fragen: "Was sagt der Nachweis veränderter Prionen genau aus? Sind alle positiv getesteten Tiere krank und ansteckend? Brauchen wir Grenzwerte?" Dass mit dem Bluttest die erste Möglichkeit zur Entdeckung von BSE beim lebenden Tier am Horizont erscheint, ist außerdem nicht ganz zutreffend: Schon seit einiger Zeit existiert ein Test, mit dem in der Gehirnflüssigkeit ein Protein nachgewiesen werden kann, das sich unter dem Einfluss der Prionen bildet. Roland Werk, Leiter des in Würzburg ansässigen Babende-Instituts für medizinisch-mikrobiologische Forschung, schätzt diesen Liquor-Test prinzipiell als "sehr gut" ein. Unter anderem steht allerdings der hohe Aufwand bei der Probengewinnung vom Tier heute noch einer breiten Einführung des Verfahrens im Weg.

Mit den derzeit im Einsatz befindlichen Schnelltests können die Prionen allerdings tatsächlich nur im Hirngewebe geschlachteter Tiere nachgewiesen werden. Für den "Prionics-Check" etwa, einen von einer Handvoll unterschiedlicher Tests, die sich derzeit auf dem Markt befinden, wird das Gewebe nach der Entnahme verflüssigt und auf das Vorhandensein des Prionproteins untersucht, das als krankheitsspezifisch gilt. Das geschieht mit Hilfe des speziell dafür entwickelten Antikörpers 6H4. Das Untersuchungsergebnis steht meist 12 bis 16 Stunden nach Untersuchungsbeginn im Labor fest. Fällt der Schnelltest positiv aus, so werden die Gewebeproben zur Absicherung des Ergebnisses an die Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere nach Tübingen weitergeleitet. Diese Tests ermöglichen eine Früherkennung bis zu sechs Monaten vor Ausbruch der Erkrankung.

Ihr Manko liegt jedoch darin, dass sie nicht bei lebenden Tieren und bei jungen Rindern unter 30 Monaten zur Anwendung kommen können. Das zweite für den Verbraucher bedenkliche Defizit teilen sie vermutlich mit dem noch in der Vorbereitung befindlichen Bluttest: Auch der ist wahrscheinlich nicht engmaschig genug, um frisch infizierte Tiere zu erfassen. In dieser Hinsicht könnte der Test der Hirnflüssigkeit sich als überlegen erweisen, der nach Werks Aussagen frühzeitige Reaktionen zeigt.

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