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Roman Maria Koidl : Steinbrücks Online-Berater gibt auf

Der Buchautor Roman Maria Koidl sollte eigentlich den designierten SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück im Online-Wahlkampf beraten. Doch daraus wird nun nichts. Rainer Brüderle nutzt im Bundestag die Steilvorlage.

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Online-Berater mit kurzer Dienstzeit: Roman Maria Koidl.
Online-Berater mit kurzer Dienstzeit: Roman Maria Koidl.Foto: dapd

Für den FDP-Fraktionsvorsitzenden Rainer Brüderle war es eine Steilvorlage. Steinbrück sei wegen seines „unterirdischen Krisenmanagements“ nun abhängig vom Wohlwollen der Parteilinken, die derzeit noch den Mund halte, sagte der Liberale während der Haushaltsdebatte im Deutschen Bundestag. Er rühmte das ganze als "Griff in die Personaltrickkiste".

Die Einlassung Brüderles bezieht sich auf Roman Maria Koidl. Der sollte dem designierten SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück als Online-Berater zur Seite stehen. Doch schon nach wenigen Tagen ist dieses Engagement beendet. "Mit sofortiger Wirkung ziehe ich mich aus der Rolle des Beraters Online für die Wahlkampfkampagne von Peer Steinbrück im Herbst 2013 zurück. Ich kann nicht vertreten, dass falsche und ehrverletzende Berichterstattung gegen mich eingesetzt wird, die darauf zielt, den Kandidaten Peer Steinbrück zu beschädigen", erklärt Koidl in einer Stellungnahme, die dem Tagesspiegel vorliegt. Er wolle nicht Gegenstand der Berichterstattung im Wahlkampf sein, heißt es weiter. Ein Vertrag sei noch nicht unterzeichnet worden, sagt Koidl, was von der SPD auch bestätigt wird.

Koidl ist nicht nur Buchautor und Kunstmäzen, sondern er war auch Berater der Investmentfonds Cerberus Global Investors sowie Investment Fund Värde Partners Europe war. Das sind jene Fonds, die der ehemalige SPD-Chef Franz Müntefering als Heuschrecke bezeichnet hatte. Vor allem deshalb herrschte in der SPD Verärgerung über die Personalie. Von „Fehlgriff“ und „missglücktem Manöver“ ist die Rede. Der SPD-Linke Ralf Stegner sagte dem Tagesspiegel: „Man sollte den Vorgang nicht überbewerten, aber ein Beispiel für einen gelungenen Start ist das alles nicht.“ Allerdings müsse man nicht in den ersten zehn Minuten eines Fußballspiels stark sein, sondern am Ende.

Kennengelernt haben sich Steinbrück und Koidl dem Vernehmen nach über den Verlag Hoffmann und Campe, in dem sie ihre Bücher veröffentlicht haben. Einen genauen Blick auf die Vita des neuen Mannes warf im Steinbrück-Team offenbar niemand. Er hatte im Willy-Brandt-Haus bereits ein Büro bezogen. In den kommenden Woche sollte er an der Ausarbeitung einer Online-Kampagne mitwirken. Doch daraus wird nun nichts.

Der Österreicher Koidl ist auf vielen Gebieten unterwegs, nur im politischen Betrieb ist er bisher noch nicht aufgefallen. Koidl hat zwei Bücher geschrieben ("Scheisskerle" und "Blender"), er bezeichnet sich selbst als "Markenspezialist" und hat unter anderem die Schokoladenfirma Most übernommen und eine Kaffeehauskette gegründet. In Berlin betreibt er zudem die Kunsthalle Koidl. Der 46-Jährige lebt in Zürich. Auch seine Firma Direct Investment Partners ist in der Schweiz angesiedelt. Koidl und Steinbrück sollen sich über den Verlag Hoffmann und Campe kennengelernt haben, wo beide ihre Bücher veröffentlicht haben.

Koidl, so heißt es bei der SPD und so erklärt er auch selbst, sei davon überrascht worden, dass seine Personalie publik geworden sei. Darauf hin habe es schon viele Fragen von Journalisten gegeben. Zwar heißt es bei der SPD, dass der Rückzug Koidls kein Rückschlag für die Wahlkampf-Planung bedeute. Trotzdem ist diese missglückte Installierung von Koidl als Online-Berater ein neuerlicher Rückschlag für Peer Steinbrück und das, noch bevor er überhaupt offiziell nominiert ist.

Die Grünen wollten sich dazu nicht äußern – im Gegensatz zur Linkspartei. „Für Steinbrück wird es schwer. Er hat weder Glaubwürdigkeit noch eine Machtoption. Viele zweifeln daran, ob seine Lernkurve nach oben zeigt. Mit seinen Personalentscheidungen stellt er sich immer wieder in die Nähe der Wirtschaftslobby“, sagte Linken-Chef Bernd Riexinger dem Tagesspiegel. Auch die Personalie Donnermeyer passe da ins Bild. Steinbrück hat den Berliner Ex-Senatssprecher Michael Donnermeyer als seinen Sprecher engagiert. „Ein Kohlelobbyist als Wahlkampfchef ist sicher schwer zu vermitteln, wenn es um die Energiewende geht. Donnermeyer hat sich in den letzten Jahren vor allem damit beschäftigt, den Energieriesen die Kohle zu retten, und wollte den Menschen weismachen, dass es gut ist, wenn bei ihnen Giftgas in die Erde gepumpt wird“, sagte Riexinger. Donnermeyer war Geschäftsführer des Informationszentrums Klima, das sich als Kommunikationsplattform großer Energiekonzerne wie RWE, Eon und Vattenfall für die Verbreitung der CCS-Technik einsetzt, der Abscheidung und unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid. Donnermeyer wies die Vorwürfe als „völlig platt“ zurück. „CCS ist eine Klimaschutztechnologie und bewegt sich auf Beschlusslinie der SPD“, sagte er.

Wegen einer anderen Personalie muss Steinbrück nicht mit Widerstand rechnen. Als Redenschreiber konnte er einen Mitarbeiter gewinnen, der für dezidiert linke Organisationen tätig ist. Der 1962 geborene Markus Franz war Hauptstadtkorrespondent der linksalternativen „taz“, Pressesprecher des DGB und Sozialattaché der deutschen Botschaft in Washington. Zuletzt war er Redenschreiber von SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles.

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