Politik : Rosig

Hans Monath

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Mit dem Springer-Verlag haben die Grünen gemischte Erfahrungen gemacht: Die „Bild“-Zeitung etwa bläst jede Überlegung zur Öko-Steuer zur Attacke auf alle Autofahrer auf, owohl die Grünen da längst kleinmütig geworden sind. Und im Zusammenhang mit einem Demonstrationsfoto dichtete das Blatt Umweltminister Jürgen Trittin einst einen Schlagstock an. Doch an diesem Wochenende haben die Alternativen gleich in zwei Titeln des Konzerns gute Auftritte: Die „Welt am Sonntag“ zeigt groß, wie SPD-Generalsekretär Olaf Scholz Grünen-Fraktionschefin Krista Sager mit 50 roten Rosen zum Geburtstag gratuliert. Im Gast-Kommentar der „Bild am Sonntag“ darf Trittin zum Koalitionsstreit um die Kohleförderung erklären, warum „Wind, Sonne und Biomasse durch Atom und Kohle nicht zu schlagen“ seien. Und Matthias Berninger, Verbraucherschutz-Staatssekretär, wird in der Ausgabe zum „Mann der Woche“ erkoren. Der Grund: Zum Urlaubsende war Berninger gemeinsam mit einem Freund in nur zwei Tagen auf einem Tandem-Fahrrad aus seiner Heimatstadt Kassel nach Berlin gestrampelt.

Allerdings ist die Ehrung ironisch gemeint, hatte Berninger doch während der Reise erste eigene Erfahrungen mit dem Dosenpfand gemacht und danach über „Chaos“ geklagt (Titel: „Jetzt stöhnen schon die Grünen übers Dosenpfand“). Nicht nachgefragt hat die Zeitung, warum der Politiker nicht mit einem eigenen Rad unterwegs war, sondern sich aufs Kraft sparende Tandem setzte. Keine Kondition? Oder der symbolische Beweis, dass man mit Gemeinsinn auch auf dem Fahrradsattel besser fährt? Ungestellt blieb auch die Frage: Wer saß überhaupt am Lenker?

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