Politik : Roter Afghane

Hans Monath

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Ja, haben denn die Grünen den letzten Widerstandsgeist verloren? Man fällt vom Glauben ab! An diesem Freitag entscheidet der Bundestag schon wieder über einen neuen Bundeswehr-Einsatz. Diesmal soll es in die afghanische Provinz gehen. Und wo bleibt der Aufschrei der Anti-Militaristen im Bundestag? Wo bleiben die bewährten Nein-Sager aus der Grünen-Fraktion? Vor Wochen hatte Altrebell Hans-Christian Ströbele noch lautstark vor einem zweiten Vietnam gewarnt. Auch diesmal zeigte er sich grantig und mäkelte am Sinn der Mission herum. Doch er macht es spannend und wollte vor der Entscheidung nicht einmal verraten, wie er abstimmt. Der Vorkämpfer der Liberalisierung weicher Drogen und Leadsänger eines einschlägigen Hits („Gebt den Hanf frei!“) spannt Freund und Feind auf die Folter. Verwundert reiben sich die Aktivisten aus der Szene („Legalize it!“) die rot geschwollenen Augen. Jedes Kind weiß doch inzwischen, dass in der Provinz Kundus Cannabisplantagen und Schlafmohnfelder so weit wogen, wie der Blick reicht. Und prompt versichert die Regierung, dass ihre Soldaten die afghanischen Drogenhändler bei ihrem Treiben nicht stören werden. Man muss die einschlägigen Hinweise von Verteidigungsminister Peter Struck nur neu interpretieren. Wird nicht auch am Hindukusch die Konsum-Freiheit der deutschen Kiffer verteidigt? Gegen ein bisschen Afghanistan in Kreuzberg und Friedrichshain hätten Ströbeles Wähler ganz und gar nichts einzuwenden: Coole Klamotten, eine weitgehend autofreie Zone und freier Handel mit Cannabis aus Kundus! Hat da jemand behauptet, das Antifa-Erbe sei tot? Das Gegenteil ist richtig. Nie war die Vergangenheit mehr Verpflichtung als heute. Denn auf deutschem Boden darf nie wieder ein Joint ausgehen. Kiffer der Erde, erkämpft das Menschenrecht! Und wenn es die Bundeswehr mit der Waffe in der Hand durchsetzen muss.

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