Politik : Russland: Gitter statt Feier mit Bush

Elke Windisch

Eine offizielle Einladung zur Amtseinführung von George W. Bush und diplomatische Immunität konnten einen der skandalumtosten Männer Russlands nicht vor dem Zugriff von Justitia bewahren. Pawel Borodin, der unter Boris Jelzin die Vermögensverwaltung des Kremls leitete, wurde gestern bei der Einreise in die USA auf dem John F. Kennedy-Airport in New York verhaftet.

Schweizer Behörden hatten den umtriebigen Manager international zur Fahndung ausgeschrieben. Grund dafür sind Vorwürfe, wonach die Schweizer Baufirma Mabetex sich einen 300 Millionen Dollar schweren Auftrag für die Restaurierung des Kremls mit fürstlichen Schmiergeldern an Moskauer Spitzenbeamte erschlichen haben soll. Als Begünstigte standen neben Borodin auch die beiden Töchter Jelzins unter Tatverdacht.

In dem Verfahren ermittelten russische Staatsanwälte je nach politischer Tageskonjunktur mal mit hektischer Betriebsamkeit, mal mit dem erkennbaren Wunsch, die Vorwürfe aus der Welt zu schaffen. Gleich nach seiner Ernennung zum Interimspräsidenten am 31. Dezember 1999 unterzeichnete Putin jedoch ein Dekret, das Jelzin und dessen Angehörigen strafrechtliche Immunität garantiert. Im Dezember 2000 wurde das Verfahren in Moskau formell eingestellt.

Die Eidgenossen, die gegen "Borodin und andere" wegen Korruption und Geldwäsche ermitteln, gaben indes nicht auf. Die mit dem Fall betraute Staatsanwaltschaft in Genf stellte bereits vor Jahresfrist gegen Borodin einen Haftbefehl aus, der nie aufgehoben wurde und verlangte in Washington bereits dessen Auslieferung. Hiesige Medien bezeicheten den Vorgang als "Skandal". Außenamtschef Igor Iwanow bestellte gestern bereits US-Botschafter James Collins ein. Moskau, so heißt es in der ihm überreichten Protestnote, bestehe auf unverzügliche Freilassung Borodins.

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