Russland : Rebellenüberfall auf Stadt im Nordkaukasus

Beim schlimmsten Terroranschlag in Russland in diesem Jahr haben hunderte islamistische Rebellen in Naltschik starben in stundenlangen Kämpfen fast 30 Sicherheitsbeamte und Zivilisten.

Moskau - In den Gefechten kamen auch über 50 Angreifer ums Leben, wie Vize- Innenminister Alexander Tschekalin dem russischen Präsidenten Wladimir Putin im Kreml berichtete. Der Staatschef kommentierte die erneute Herausforderung des Staatsapparates durch Terroristen aber zunächst nicht. Die betroffene Teilrepublik Kabardino-Balkarien gilt seit langem als Rückzugsgebiet tschetschenischer Kämpfer.

Mindestens fünf Terroristen hielten sich nachmittags noch mit Geiseln im Polizeirevier Nr. 3 von Naltschik verschanzt und lieferten sich ein Gefecht mit Sicherheitskräften. Berichte über eine Geiselnahme in einer Schule wurden dementiert. Etwa 70 Verletzte seien in Krankenhäuser gebracht worden, teilten die Behörden mit.

Wie bei dem Rebellenüberfall auf die Teilrepublik Inguschetien im Juni 2004 griffen die schätzungsweise 200 Bewaffneten auch diesmal gezielt Gebäude des russischen Sicherheitsapparates an. Es gab Attacken auf Polizeireviere, das Militärkommando, die örtliche Filiale des Inlandsgeheimdienstes FSB sowie einen Waffenladen und den Flughafen. «Es waren genau geplante und synchronisierte Angriffe», sagte ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur Itar-Tass. In Inguschetien hatten die Rebellen 2004 fast 100 Angehörige des Sicherheitsapparates ermordet.

Die Angreifer gehörten vermutlich zur islamistischen Untergrundorganisation «Jarmuk», sagte der erst vor einem Monat eingesetzte Präsident von Kabardino-Balkarien, Arsen Kanokow. Diese Gruppe hatte bei einem Überfall auf die Drogenpolizei in Naltschik im Dezember 2004 vier Polizisten getötet und mehr als 250 Handfeuerwaffen erbeutet. Tschekalin vermutete, dass die Rebellen mit dem umfassenden Angriff festgenommene Gesinnungsgenossen befreien wollten.

In der 300 000 Einwohner zählenden Stadt Naltschik herrschte über Stunden blutiges Chaos, die Behörden hatten keinen Überblick über die Lage. Telefonverbindungen fielen aus. Den Berichten nach griffen die in kleine Gruppen aufgeteilten Rebellen morgens zunächst eine Kaserne von Grenzsoldaten und den Flughafen an. «Eine Kompanie Soldaten schlug den Angriff auf den Flughafen zurück», sagte ein Vertreter der Polizei. Nach den Straßenkämpfen mit Schusswaffen und Granaten versuchten die Rebellen, sich Autos zu verschaffen und in die Berge zu flüchten.

Im Internet übernahmen tschetschenische Rebellen aus dem Umfeld des Terroristenanführers Schamil Bassajew die Verantwortung für den Angriff. Ausgehend von Tschetschenien ist die Lage in der russischen Vielvölkerregion Nordkaukasus in den vergangenen Jahren instabiler geworden. Armut und Arbeitslosigkeit sowie die Korruptheit der örtlichen Führungen tragen dazu bei. In Beslan in Nordossetien überfielen Terroristen im September 2004 eine Schule, wobei 331 Geiseln starben. In Dagestan am Kaspischen Meer verüben religiöse Extremisten fast täglich Anschläge gegen die Sicherheitsbehörden. (tso/dpa)

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