Politik : Russland und Indien planen Bau von Kernreaktoren

Christine Möllhoff

Neu-Delhi - Der Gast aus Moskau kommt nicht mit leeren Händen. So will Russlands Präsident Wladimir Putin sich bei seinem Besuch in Indien nicht nur für ein Ende des weltweiten Atomboykotts gegen Indien einsetzen. Russland will auch bei der zivilen Atomenergie künftig wieder eng mit Indien zusammenarbeiten und weitere Atomkraftwerke im Land bauen. Es wird erwartet, dass Russland und Indien bei Putins Visite ein Milliardengeschäft über den Bau neuer Reaktoren unterzeichnen. Auch will Moskau Kampfjets vom Typ MiG-35 verkaufen. Indien erhofft sich ein Abkommen zu Gasgeschäften.

Russland ist Indiens wichtigster Rüstungslieferant. Zugleich gewinnt es auch aufgrund seiner Energieressourcen zunehmend an Bedeutung für die aufstrebende asiatische Wirtschaftsmacht. Indien kämpft mit massiver Energienot und setzt vor allem auf den Ausbau der Atomkraft, um den Bedarf zu stillen. Allerdings wird das Land seit 1998 im zivilen nuklearen Bereich boykottiert, weil es den Atomwaffensperrvertrag nicht unterzeichnet hat, Atomwaffen besitzt und testete. Der amerikanische Präsident George W. Bush unternahm bereits einen Vorstoß, den globalen Lieferstopp von Atomtechnologie und Nuklearmaterial an Indien zu beenden.

Russland baut bereits zwei 1000-Megawatt-Reaktoren in Kudankulam im indischen Bundesstaat Tamil Nadu. Das Projekt war bereits im Jahr 1988 beschlossen worden. Indien möchte gerne vier weitere Reaktoren in Kudankulam errichten lassen. Indische Zeitungen berichteten, dass die beiden Staaten voraussichtlich bis zu zehn Abkommen unterzeichnen werden. Diese umfassen unter anderem den Energie-, Weltraum- und Verteidigungssektor. Putin wird dazu Gespräche mit dem indischen Premierminister Manmohan Singh führen. Am Freitag ist er Ehrengast bei den Feierlichkeiten und der Militärparade zum Tag der Republik in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi. Indien und Russland pflegen seit langem enge Beziehungen. Während des Kalten Krieges war Indien zwar offiziell blockfrei, lehnte sich aber stärker an Russland an.

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