Politik : Saddams Generäle warten schon

Irakischer Ex-Militär setzt auf Rückkehr unbelasteter Offiziere, um die Stabilität wiederherzustellen

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Für die neue irakische Übergangsregierung hat die Sicherheit im Land oberste Priorität. Einen Tag nach der Machtübergabe erfüllte sich allerdings die Hoffnung auf eine baldige Beruhigung der Lage noch nicht: Am Dienstag wurden bei einem Bombenanschlag auf einen Militärkonvoi in Bagdad drei USSoldaten getötet und zwei weitere verletzt. Bei einem Bombenanschlag in der nordirakischen Stadt Kirkuk kam am Dienstag ein Polizist ums Leben. Ein hoher kurdischer Polizeioffizier wurde nach Angaben der Behörden leicht verletzt.

Angesichts der neuen Anschläge stellt sich die Frage, ob und wie die Sicherheit nach der Machtübergabe tatsächlich erhöht werden kann. Rabbeh Ahmed Radi hat verblüffend einfache und klare Antworten auf diese Frage. Als Ex-Offizier der irakischen Armee weiß der etwa 60-jährige Mann, wovon er spricht. Außerdem ist er Mitglied der Oppositionsgruppe Irakisches Nationales Abkommen Accord, deren Vorsitzender der neue Regierungschef Ijad Allawi ist und dem Radi sich nach seiner Übersiedlung nach Jordanien 1999 anschloss. „Die irakische Armee könnte in sechs Monaten wieder einsatzbereit sein“, glaubt Radi. „Soldaten und Offiziere sitzen seit der Auflösung der Armee durch die USA in ihren Häusern, sie müssen nur wieder zusammengerufen werden.“ Sein Vorschlag: Bekannte Offiziere sollten im Fernsehen und im Radio dazu aufrufen, zur Truppe zurückzukehren. Diese Offiziere hätten eine Glaubwürdigkeit im Lande, über die viele Regierungsmitglieder, die die Auslandsopposition vertreten, nicht verfügten, sagte er dem Tagesspiegel. Das Recht der Rückkehr sollte in der Regel nicht für die obersten Offiziersränge gelten. Es sei aber, so Radi, gut möglich, dass sich einzelne Generäle und andere hohe Offiziere finden ließen, die sich keiner Verbrechen schuldig gemacht hätten.

Den jungen Kleriker Muktada al Sadr und seine Mahdi-Miliz könne man auf einfache Weise ruhig stellen, erklärt Radi weiter: „Man biete ihm ein Ministerium oder einen Stellvertreterposten an, und er wird still sein.“ Sadr sei nicht in erster Linie ein Mann der Religion, sondern ein machthungriger Politiker, so Radi.

Der Ex-Offizier räumt ein, dass einige Iraker an der Integrität Allawis zweifeln, weil er mit dem amerikanischen Geheimdienst zusammengearbeitet hat. Er selbst war zusammen mit Allawi am 13. April 2003, wenige Tage nach dem Fall von Bagdad, in die irakische Hauptstadt gereist. Mittlerweile hat er sich aber enttäuscht von Allawi abgewendet. Die meisten Soldaten, so die Prognose von Radi, würden zurückkehren: „Die Leute brauchen Geld und Arbeit, das hat Vorrang“, ist sich der Ex-Offizier sicher, der 1985 die Armee verlassen hat, weil ihm nach eigenen Angaben als Schiit die Beförderung zum General verweigert wurde.

Der Sicherheitsexperte der unabhängigen Organisation „International Crisis Group“ im Regionalbüro in Amman, Robin Bhatty, hofft unterdessen, dass die Einsetzung der einigermaßen legitimen irakischen Regierung den Aufbau der neuen Sicherheitskräfte erleichtern kann. In Zukunft seien in der Kommandokette der Polizei beispielsweise keine Amerikaner mehr zu finden. Das könne die Loyalität der Polizisten verstärken. Auch wenn 150 000 US-Soldaten im Land blieben, so sei der „Trick“, sie so weit wie möglich aus den Städten herauszuhalten und damit für weite Bevölkerungsteile „unsichtbar“ zu machen. Allerdings geht Bhatty davon aus, dass es zwei Jahre dauert, einen Rekruten zum Polizisten auszubilden.

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