Politik : Sammlung zu Gunsten der CDU soll bald abgeschlossen sein

Die Getreuen des Altkanzlers machen Druck auf Merkel und Schäuble

Altkanzler Helmut Kohl will seine neuerliche Spendenaktion zu Gunsten der CDU bald abschließen und dann die Ergebnisse veröffentlichen. Das sagte der ehemalige CDU-Ehrenvorsitzende der "Welt am Sonntag". Wieviel Geld er bereits gesammelt hat, gab Kohl nicht bekannt. Die Aktion findet in Teilen der Partei ein positives Echo. Die thüringische Bundestagsabgeordnete Vera Lengsfeld forderte die CDU auf, wieder auf Kohl zuzugehen und für ihn eine Feier zum 70. Geburtstag am 3. April zu organisieren. Der rheinland-pfälzische Landesvorsitzende Christoph Böhr, der stets zu Kohl gehalten hatte, hält die Aktion für eine "ehrenwerte und gute Sache, die der Union in einer schwierigen Zeit helfe". Der Bremer CDU-Landesvorsitzende Bernd Neumann erklärte, führende Funktionsträger in der Partei sollten nun mit gutem Beispiel voran gehen und selbst spenden. Die Abgeordnete Erika Steinbach erklärte, sie selbst werde 1000 Mark zu Kohls Aktion beitragen. Der Abgeordnete Willy Wimmer sagte die gleiche Summe zu und forderte Parteichef Wolfgang Schäuble und Generalsekretärin Angela Merkel auf, "dem Beispiel Helmut Kohls zu folgen".

Merkel wiederholte ihre Auffassung, dass Kohls Spendensammlung ein "Zeichen in die richtige Richtung" sei, das allerdings den vom Altkanzler mit verursachten Glaubwürdigkeitsverlust der CDU allein nicht wett machen könne. Kohls Aktion helfe der CDU "nicht über diesen Konflikt hinweg", sagte Merkel der "Super Illu".

Unterdessen bekannten sich der Berliner Filmproduzent Artur Brauner und der Publizist Ernst Cramer dazu, für Kohl gespendet zu haben, weil sie den öffentlichen Umgang mit dem ehemaligen Kanzler missbilligten. Brauner sagte der Zeitung "BZ": "Ich empfinde die Hetzjagd auf Helmut Kohl unmenschlich und unbegründet." Cramer schrieb in der "Welt am Sonntag", er halte die persönlichen Attacken gegen Kohl für verwerflich.

Der langjährige Bevollmächtigte der CDU-Schatzmeisterei, Uwe Lüthje, wird nach Informationen der "Bild am Sonntag" vorerst nicht vor den Spenden-Untersuchungsausschuss des Bundestages geladen. Der 68-jährige Lüthje habe eine Krebsoperation hinter sich. Der SPD-Obmann im Ausschuss, Frank Hofmann, sagte dem Blatt: "Herr Lüthje war seit 1971 dabei und weiß sehr viel. Wir wollen aber auf seinen Gesundheitszustand Rücksicht nehmen. Wenn er mit uns reden kann, werden ein paar Ausschuss-Mitglieder zu ihm fahren." Ursprünglich sollte Lüthje am 23. März vor dem Ausschuss aussagen.

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben