Politik : Sarkozy will Präsident werden

Rücktritt als Innenminister gefordert

Hans-Hagen Bremer

Paris - Gezweifelt hatte niemand mehr daran, nun ist es endlich raus: Nicolas Sarkozy will im nächsten Frühjahr zur Präsidentenwahl antreten. „Meine Antwort ist Ja“, sagte der Innenminister und Vorsitzende der Regierungspartei UMP in einem am Donnerstag in mehreren Regionalzeitungen veröffentlichten Interview auf die Frage, ob er kandidieren werde. Neben der Sozialistin Ségolène Royal, die nach ihrem triumphalen Sieg in einer Urabstimmung von ihrer Partei offiziell zur Kandidatin erhoben worden war, hat sich damit Sarkozy als aussichtsreichster Bewerber der Rechten in die Startblöcke begeben. Seine Proklamation als Kandidat der UMP soll auf einem Sonderparteitag am 14. Januar erfolgen.

Ob noch andere Politiker aus dem Regierungslager kandidieren werden, ist weiter offen. Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie wolle ihre Entscheidung in den nächsten zwei Wochen treffen, hieß es in ihrer Umgebung. Sie habe von Sarkozy die Zusage einer „fairen Behandlung“ auf den bis Jahresende geplanten Regionalforen der UMP erhalten. Die als „wahre Gaullistin“ auftretende Ministerin glaubt, sich auf die Sympathie von 25 Prozent der Anhänger der Regierungspartei stützen zu können. Wie sie hätte auch Premierminister Dominique de Villepin nur geringe Chancen gegen Sarkozy. Zur Entscheidung des Rivalen sagte Villepin, dieser müsse jetzt „im Einvernehmen mit dem Staatspräsidenten und dem Regierungschef“ selbst bestimmen, wie lange er noch Innenminister bleiben könne.

Auch Politiker der Opposition forderten Sarkozy auf zurückzutreten, da er als Kandidat nicht gleichzeitig der für die Organisation der Wahlen zuständige Innenminister bleiben könne. Sarkozy vermied konkrete Aussagen über seinen Verbleib in der Regierung. Er werde sein Amt vor dem ersten Wahlgang am 22. April niederlegen, sagte er lediglich.

Laut Umfragen könnte es zwischen Sarkozy und Royal in der entscheidenden zweiten Wahlrunde am 6. Mai zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen kommen. Wie schwierig es für Sarkozy ist, sich gegen die populäre Konkurrentin zu behaupten, zeigt eine Panne bei der Bekanntgabe seiner Kandidatur. Um nach der lange künstlich erhaltenen Spannung um seine Ambition noch einen als „Überraschung“ gedachten Effekt zu erzeugen, hatte er den Regionalzeitungen ein Interview vorgeschlagen, das in Absprache mit dem Verlegerverband in allen 60 Provinzzeitungen auf der Titelseite erscheinen sollte. Doch mehrere Regionalblätter lehnten den Abdruck ab, da sie sich nicht, wie die Zeitung „Sud Ouest“ schrieb, zum „Instrument der Kommunikation“ Sarkozys machen lassen wollten.

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