Satellitenstart : Nordkorea startet umstrittene Rakete - UN-Sicherheitsrat alarmiert

Ungeachtet der internationalen Kritik hat Nordkorea am Sonntag seine umstrittene Rakete gestartet. Südkorea verurteilte den Raketenstart aufs Schärfste. Japan alarmierte den Weltsicherheitsrat. US-Präsident Barack Obama warf Nordkorea vor, gegen die Resolution 1718 des UN-Sicherheitsrates verstoßen zu haben.

Tokio/Seoul Trotz aller internationalen Warnungen hat Nordkorea am Sonntag eine Rakete gestartet und damit die Spannungen in der Region abermals verschärft. Die Rakete sei gegen 11:30 Uhr Ortszeit (04:30 Uhr MESZ) abgefeuert worden, bestätigten die japanische und südkoreanische Regierung. Die USA, Südkorea und Japan verurteilten den Raketenstart aufs Schärfste. Japan forderte den Weltsicherheitsrat auf, eine Dringlichkeitssitzung einzuberufen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich angesichts der instabilen Lage in Südostasien besorgt.

Nordkorea hatte vor mehr als drei Wochen angekündigt, einen "experimentellen Fernmeldesatelliten" in den Weltraum zu schießen. Aus Sicht der USA sowie Südkoreas und Japans will Nordkorea jedoch unter dem Deckmantel eines Satellitenstarts die Technologie für eine militärische Langstreckenrakete erproben. US-Präsident Barack Obama warf Nordkorea in einer ersten Reaktion am Sonntag vor, gegen die Resolution 1718 des UN-Sicherheitsrates verstoßen zu haben, die Nordkorea jede Aktivität mit ballistischen Raketen ausdrücklich untersagt. In einer Erklärung des Weißen Hauses aus Prag, wo sich Obama zur Zeit aufhält, heißt es: "Mit diesem provokativen Akt hat Nordkorea seine internationalen Verpflichtungen missachtet und unmissverständliche Aufrufe zur Zurückhaltung ignoriert und sich weiter von der Gemeinschaft der Völker isoliert".

Ban fordert Wiederaufnahme der Sechser-Gespräche

Ban forderte nach Angaben eines Sprechers in New York das nordkoreanische Regime dazu auf, sich an alle Resolutionen des UN-Sicherheitsrates zu halten. An die um Ausgleich in der Region bemühten Länder appellierte Ban, "ihre Anstrengungen auf vertrauensbildende Maßnahmen zu fokussieren" und die Sechser-Gespräche Nordkoreas mit Südkorea, Japan, China, den USA und Russland - wieder aufzunehmen.

Die USA wollen sich nach den Worten Obamas unverzüglich mit ihren Alliierten in der Region, darunter Japan und Südkorea, und den Mitgliedern des Weltsicherheitsrates beraten, um diese Angelegenheit vor das höchste UN-Gremium in New York zu bringen. Nordkorea hatte mit dem sofortigen Ausstieg aus den Verhandlungen über ein Ende seines Atomwaffenprogramms gedroht, sollte der Weltsicherheitsrat den erneuten Raketenstart kritisieren.

Die südkoreanischen Streitkräfte verstärkten unterdessen ihre Überwachung an der innerkoreanischen Grenze, um gegen mögliche Provokationen des Gegners gewappnet zu sein, teilte das Verteidigungsministerium in Seoul mit. Die Rakete war über Japan hinweg Richtung Pazifik geflogen. Die erste Raketenstufe sei im japanischen Meer und die zweite in den Pazifik gestürzt, berichteten japanische Medien. Nach ersten südkoreanischen Informationen war tatsächlich ein Satellit an Bord der Rakete.

Japan, USA und Südkorea in Alarmbereitschaft

Nordkorea hatte angekündigt, eine Rakete vom Typ Unha-2 zum Transport des Satelliten zu verwenden. Nach Expertenangaben ähnelt dieser Raketentyp der militärischen Langstreckenrakete Taepodong-2, die theoretisch US-Gebiet erreichen könnte. Nach einer Reihe von Raketentests im Juli 2006 und dann noch einmal nach einem Atomtest im selben Jahr in Nordkorea hatte der Weltsicherheitsrat das kommunistische Regime in Pjöngjang in zwei Resolutionen aufgerufen, sein ballistisches Raketenprogramm einzustellen.

Zusammen mit Japan und den USA hatte Südkorea gewarnt, den neuen Raketenstart zur Diskussion über eine Resolution oder gar Sanktionen vor den Weltsicherheitsrat zu bringen. Die drei Länder hatten Kriegsschiffe mit dem Aegis-Radar- und Raketenabwehrsystem ins Japanische Meer verlegt, um den Raketenstart zu verfolgen. Auch Russland hatte wegen des angekündigten Starts seine Luftwaffe in Kampfbereitschaft versetzt. Nach japanischen Berichten fielen keine Teile der Rakete wie die abgestoßenen Stufen auf japanischen Boden. (ae/dpa)

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