Politik : Schläfer vor dem Schlaf

Frank Jansen

Berlin - Die Terrorgefahr in den USA scheint sich zu verändern. Al Qaida seien derzeit keine schweren Schläge in Amerika zuzutrauen, sagt der US-Terrorexperte Steven Emerson – doch er warnt vor Gruppen militanter Islamisten, die im Land auf eigene Faust den Dschihad (heiligen Krieg) trainieren. Diese „Pre-Sleeper-Cells“ bereiteten sich darauf vor, dass eines Tages Al Qaida oder eine andere Organisation den Auftrag zum Anschlag erteile, berichtete Emerson, Direktor des Terrorismus-Archivs „The Investigative Project“, am Freitag in der Berliner Dependance des American Jewish Committee.

Es handele sich nicht um gezielt platzierte Schläfer, die nach Jahren unauffälliger Existenz ein Attentat verüben, sondern um unabhängige Gruppen, die sich selbst in das Stadium einer Schläferzelle versetzen. Nur in einem Fall, so Emerson, seien Verbindungen zu einer Terrororganisation – aus der indischen Unruheprovinz Kaschmir – festgestellt worden.

Das Training, das Emerson beschreibt, ähnelt Berichten über Wehrsport deutscher Neonazis. Beispielsweise betrieben die Islamisten Kriegsspiele wie „Paintball“, bei dem sich zwei Trupps mit Farbkugeln beschießen. Emerson berichtet von Fällen in den Bundesstaaten Virginia, New York und Washington. Jüngstes Beispiel: Vergangene Woche nahm das FBI in Seattle im US-Bundesstaat Washington zehn Terrorverdächtige fest, US-Bürger und Ausländer. Das FBI hatte Hinweise, muslimische Jugendliche seien für den Guerillakrieg in Städten trainiert worden.

Etwa ein halbes Dutzend Verfahren würden gegen Mitglieder von „Pre-Sleeper-Cells“ geführt, sagt Emerson. Die Justiz ermittle gegen die Islamisten solcher Zellen wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Die rechtliche Grundlage sei mit dem Patriot Act geschaffen worden, der nach den Anschlägen des 11. September vom US-Kongress verabschiedeten Verschärfung der Sicherheitsgesetze.

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