Politik : "Schröder Gerd 007" und "Sherlock Stoiber"

Mit dem Starkbieranstich und dem traditionellen Politiker-"Derblecken" (Verspotten) auf dem Münchner Nockherberg hat die "fünfte Jahreszeit" in Bayern begonnen. Dabei nahm der Kabarettist Bruno Jonas als "Bruder Barnabas" die Politiker kräftig aufs Korn.

München (03.03.2005, 16:30 Uhr) - Ein Showdown zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und dem bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) - beim traditionellen Starkbieranstich auf dem Münchner Nockherberg wurde das Duell in diesem Jahr auf der Bühne nochmals Wirklichkeit. In dem ironischen Singspiel «Tatort Nockherberg» fordert «Schröder Gerd 007» - köstlich imitiert von Schauspieler André Hartmann - «Sherlock Stoiber» zum großen Pokerspiel heraus. «Ach Kinder, ich find's doll, dass es euch gibt», sinniert der Kanzler mit Blick auf die Union gönnerisch: «Sonst hätt' ich null Schangse, noch ma zu gewinnen.»

Das Singspiel war das besondere Schmankerl beim beliebten Politiker-Derblecken (Verspotten) zum Auftakt der «fünften Jahreszeit» in Bayern, wie die Starkbierzeit genannt wird. Die mehr als 500 handverlesenen Gäste in der neuen Halle der Paulaner-Brauerei quittierten das hintersinnige Schauspiel mit großem Applaus. Der Kanzler selbst war zwar nicht im Publikum. Mit Bundesinnenminister Otto Schily (SPD), Grünen-Chefin Claudia Roth sowie CDU-Generalsekretär Volker Kauder war die Berliner Politszene bei dem weißblauen Gaudium aber gut vertreten.

Landesvater Stoiber, der als «pater patriae» traditionell den ersten Schluck Starkbier aus dem Zinnkrug kredenzt bekam, machte heitere Mine zum spritzigen Spiel. «Weißte, Eddy, ich häng gar nicht so am Job. Ich mach den, weil dich das ärgert», verriet ihm Schröder Gerd 007. Stoiber (Michael Lerchenberg), dem trotz seiner gescheiterten Kandidatur 2002 immer noch Kanzlerambitionen nachgesagt werden, blieb am Schluss nur ein Verzweiflungssong nach der Melodie «Ich steh' im Regen»: «Ahnst Du denn, Deutschland, wie ich mich nach Dir verzehre? Liebe mich jetzt!»

Auch CDU-Chefin Angela Merkel machte Stoiber als flotte Spelunkenwirtin Angie Steel (Corinna Duhr) zu schaffen. «Ich rasier noch einen Süßen, ich weiß zwar noch nicht wie, doch das Wolfratshauser Frühstück, Eddy, das vergess ich nie...», flötete sie. FDP-Chef Guido Westerwelle (Holger Paetz) hatte dazwischen eine schwere Rolle. «Wieso hauen denn immer alle ab, wenn ich anfange zu sprechen?» fragte er verzweifelt.

In der mit Spannung erwarteten «Fastenpredigt», die dieses Jahr zum zweiten Mal der Kabarettist Bruno Jonas («Scheibenwischer») hielt, kamen dann eher die hausgemachten Probleme der CSU auf den Tisch. Als Paulanermönch «Bruder Barnabas» las Jonas mit niederbayerischem Humor der Politprominenz unmissverständlich die Leviten. An die Adresse von CSU-Generalsekretär Markus Söder, der wegen seiner Schuldvorwürfe an den Kanzler im Zusammenhang mit Sexualverbrechen an Kindern im Kreuzfeuer der Kritik steht: «Manchmal habe ich den Eindruck, der Söder redet deshalb so schnell, damit er nicht verstehen muss, was er da sagt.»

(Von Nada Weigelt, dpa) ()

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