Politik : Schüsse an der Grenze in Kaschmir

Indische und pakistanische Truppen haben sich an der Grenze in Kaschmir Gefechte geliefert. Dabei seien indische Bunker beschädigt worden, sagte ein pakistanischer Militärsprecher am Samstag. Die indische Armee habe an der Grenze in der umstrittenen Region Kaschmir und am Siachen-Gletscher pakistanische Truppen mit Granaten beschossen, daraufhin sei das Feuer erwidert worden. Die Krise zwischen den Nachbarstaaten hatte sich am Freitag verschärft, als seinen Botschafter aus Islamabad abberief und die Einstellung sämtlicher Zug- und Busverbindungen in das Nachbarland ankündigte.

Indien macht pakistanische Moslem-Gruppen für den Anschlag auf das indische Parlament verantwortlich, bei dem in der vergangenen Woche 14 Menschen getötet worden waren. Neu Delhi wirft Islamabad vor, die radikalen Gruppen auch militärisch zu unterstützen. US-Präsident George W. Bush forderte Musharraf am Freitag auf, gegen eine der beiden militanten islamistischen Organisationen vorzugehen, die den Anschlag laut indischer Darstellung ausführten. Die US-Regierung setzte die Gruppe Lashkar-e-Tayyaba auf ihre Liste terroristischer Organisationen.

Sikhs und Hindus ermordet

Mutmaßliche Moslem-Extremisten haben derweil im indischen Teil Kaschmirs fünf Frauen erschossen. Die Opfer gehörten zu den Religionsgemeinschaften der Sikhs und Hindus, die im Kaschmir-Tal eine Minderheit sind. Eine bewaffnete Bande überfiel am Freitagabend zwei Dörfer und schoss auf die Bewohner. Das berichtete die indische Nachrichtenagentur UNI am Samstag.

Angesichts der jüngsten Spannungen nach dem Parlamentsanschlag in Neu Delhi beschuldigen sich Pakistan und Indien gegenseitig, die Lage eskalieren zu lassen. Der pakistanische Präsident Pervez Musharraf nannte die Entscheidung Neu Delhis, seinen Botschafter abzuziehen, am Samstag bei einem Besuch in China "arrogant".

Die pakistanische Armee warf Indien vor, mit massiven Truppenbewegungen im Grenzgebiet und in der umstrittenen Kaschmir-Region eine "aggressive" Haltung einzunehmen. Dagegen bezeichnete das indische Militär die Truppenverlegungen als eine "Vorsichtsmaßnahme" gegen die pakistanische Mobilmachung.

Musharraf sagte in der nordchinesischen Stadt Xian, er bedaure die jüngsten diplomatischen Sanktionsmaßnahmen Indiens. Sie seien eine "sehr arrogante und absehbare Reaktion". Die Frage, ob Pakistan diplomatische Gegenmaßnahmen ergreifen werde, verneinte der pakistanische Staatschef. Das Außenministerium Pakistans erklärte, auf diplomatische Gegenmaßnahmen nach der Abberufung des Botschafters verzichten zu wollen. Präsident Musharraf antwortete am Samstag in China auf die Frage, ob Pakistan seinen Botschafter aus Neu Delhi abziehen wolle: "Nein."

Im Kaschmir-Konflikt wurden seit 1989 bereits mehr als 35 000 Menschen getötet. Die beiden Atommächte Indien und Pakistan streiten sich seit mehr als 50 Jahren um die Grenzregion. Seit zwölf Jahren führen moslemische Rebellen im indisch verwalteten Teil der Gebirgsregion einen Unabhängigkeitskrieg.

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