Politik : Schulprobleme werden zum Sprengsatz für Berlin

Studie: Sogar Gefahr für Länderfusion mit Brandenburg / Wer schlecht Deutsch kann, soll auch samstags und in den Ferien lernen

Susanne Vieth-Entus

Berlin. Die Berliner Bildungsmisere könnte zum Hindernis für die Fusion mit Brandenburg werden. Um die Probleme zu lösen, die durch den hohen Anteil von Migrantenkindern in Berlin entstehen, sollen die Schulen die Sprachförderung deutlich ausweiten. Dies fordern führende Erziehungswissenschaftler in einem Bericht für Bildungssenator Böger und dessen brandenburgischen Kollegen Reiche (beide SPD). Sie warnen darin vor einem „sozialen Sprengsatz“. Kinder, die schlecht oder kaum Deutsch sprächen, sollten auch nachmittags, samstags oder in den Ferien Deutschunterricht bekommen. Die Bildungskommission begründet ihre „entschiedenen Vorschläge“ damit, dass Berlin sonst das gemeinsame Land mit seinen Migrationsproblemen belaste. Das sei eine „zentrale Herausforderung“.

Da die Finanzen beider Bundesländer kaum Raum für zusätzliche Bildungsinvestitionen lassen, fordern die Wissenschaftler eine Umschichtung des Geldes zugunsten der sozial belasteten Bezirke. Dies könnte bedeuten, dass etwa Zehlendorfer Schulklassen größer würden und Kreuzberger kleiner. Für alle Schüler soll es wöchentlich mehr Unterricht geben.

Der Bildungsbericht, der dem Tagesspiegel vorliegt, umfasst alle Bildungsbereiche. Unter dem Vorsitz von Jürgen Baumert, der auch die deutsche Bildungsstudie Pisa leitete, erarbeiteten Wissenschaftler und Schulpraktiker Empfehlungen, die dem schlechten Abschneiden Berlins und Brandenburgs bei Pisa Rechnung tragen und zeigen sollen, wie beide Länder zu einer gemeinsamen „Bildungsregion“ zusammenwachsen können.

Im Mittelpunkt des Berichts steht die Frage der Qualitätsentwicklung: Was kann die Politik tun, damit sich das Pisa-Desaster nicht wiederholt? Nach Ansicht der Bildungskommission wäre es allerdings falsch, auf die Probleme mit einer neuen Strukturdebatte – Gesamtschule ja oder nein – zu antworten.

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