Schwangerschaftsabbruch : Spätabtreibungs-Diskussion spaltet Bundestag

Ein Ungeborenes nach der 22. Woche abtreiben, weil es behindert ist - ein Thema mit viel Diskussionspotential. So auch im Bundestag, wo derzeit eine Verbesserung der Beratung diskutiert wird.

Berlin Der Bundestag will die Beratung von Frauen bei Spätabtreibungen deutlich verbessern. Gleichwohl gibt es aber quer durch alle Fraktionen unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie dies geschehen soll. Dies wurde am Donnerstag im Parlament bei der ersten Lesung von fünf verschiedenen Anträgen deutlich.

Der familienpolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Johannes Singhammer (CSU), sagte, es gehe darum, den betroffenen Frauen zu helfen, gleichzeitig aber eine Diskriminierung von Behinderten zu verhindern. Für die betroffene Frau solle es ein Recht auf Beratung geben, für den Arzt hingegen eine Verpflichtung zur Aufklärung.

Die Linke will Abtreibungsparagraphen vollständig streichen

Irmingard Schewe-Gerigk (Grüne) warnte hingegen vor der Annahme, Ärzte würden leichtfertig eine Abtreibung vornehmen, wenn die Geburt eines behinderten Kindes drohe. Dies sei heute schon in Deutschland verboten. Kirsten Tackmann von der Fraktion Die Linke forderte die vollständige Streichung des Abtreibungsparagrafen 218. Ihre Fraktion werde die ohnehin schon restriktiven Abbruchregeln in Deutschland nicht noch weiter verschärfen.

Ina Lenke (FDP) wandte sich gegen schärfere Strafen für Ärzte. Die SPD-Abgeordnete Kerstin Griese wie auch andere Rednerinnen warnten in der äußerst sachlich geführten Aussprache vor gegenseitigen Unterstellungen und parteipolitischer Profilierung. Dem Parlament liegen insgesamt fünf Gruppenanträge sowie zahlreiche Änderungswünsche vor. Am 16. März soll es eine Expertenanhörung geben.

Mit dem Begriff Spätabtreibungen bezeichnet man Abtreibungen nach der 22. Woche, in der das Ungeborene schon lebensfähig sein kann. Laut Statistik gab es im vergangenen Jahr 229 Abtreibungen nach der 22. Woche. Diese sind möglich, wenn eine Behinderung des Kindes diagnostiziert wird. (saw/dpa/ddp)

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