Politik : Schweiz erlaubt Forschung an Stammzellen

Jan Dirk Herbermann

Genf - In der Schweiz kann künftig embryonale Stammzellenforschung betrieben werden: In einer Volksabstimmung am Sonntag stimmten 66,4 Prozent der Teilnehmer einem im vergangenen Jahr verabschiedeten Gesetz mit engen Auflagen zu. Die Regierung in Bern begrüßte das klare Votum. Das Kabinett versprach, jedem Missbrauch entgegenzuwirken.

Ein Bündnis christlicher, linker und grüner Gruppen hatte das Referendum über das im vergangenen Dezember verabschiedete Gesetz erreicht, das die Verwendung von bis zu sieben Tage alter Embryonen in der pharmazeutischen Forschung erlaubt. In ihrer Kampagne bezeichneten sie das als ersten Schritt zum Klonen von Menschen. Die Regierung hielt dem entgegen, dass das Gesetz menschliches Klonen und das Erzeugen von Embryonen nur für die Stammzellenforschung streng verbiete. Nach dem Gesetz dürfen nur so genannte überzählige Embryonen aus der künstlichen Befruchtung verwendet werden, und dies auch nur, wenn die Eltern dem schriftlich zugestimmt haben.

Mit dem Gesetz werde eine „klare gesetzliche Regelung“ für die Wissenschaft bereitgestellt. Ein Nein hätte dem Standort Schweiz geschadet, so die Regierung. Schützenhilfe erhielt sie aus der Wissenschaft: „Ein Embryo ist nicht würdelos, aber er verdient auch noch nicht die gleiche Würde wie ein geborener Mensch“, sagte der Molekularbiologe und Philosoph Christoph-Rehmann-Sutter, Präsident der schweizerischen Ethikkommission im Bereich Humanmedizin. Die Gegner des Gesetzes forderten dagegen ein generelles Forschungsverbot an menschlichen embryonalen Stammzellen.

In der Schweiz kann über nationale Gesetzesvorlagen abgestimmt werden, wenn deren Gegner 50 000 Unterschriften gegen die Bestimmungen sammeln. Die Gegner der Stammzellenforschung hatten weit mehr Unterschriften zusammen getragen.

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