Schwieriger Job in schwierigen Zeiten : Jon Huntsman wird US-Botschafter in Russland

Der erfahrene Politiker wird Donald Trumps US-Botschafter in Russland - Beobachter halten ihn für bestens geeignet. Ein Porträt.

Jon Huntsman wird Donald Trumps US-Botschafter in Russland.
Jon Huntsman wird Donald Trumps US-Botschafter in Russland.Foto: Chris Keane/rtr

Es ist ein extrem schwieriger Posten in extrem schwierigen Zeiten: Der Republikaner Jon Huntsman wird neuer amerikanischer Botschafter in Moskau.

In dieser Woche könnte der amerikanische Kongress verschärfte Sanktionen gegen Russland beschließen – wegen der Annexion der Krim 2014 und wegen des Hackerangriffs auf die Demokratische Partei 2016. Donald Trump hat die Erkenntnisse seiner eigenen Geheimdienste immer wieder angezweifelt, das Weiße Haus zog sogar in Betracht, die Sanktionen zu stoppen, weshalb der Kongress sich nun veranlasst sah, das Gesetz sozusagen Trump-fest zu machen.

Damit ist exemplarisch die ganze Ambivalenz in den russisch-amerikanischen Beziehungen beschrieben. Jon Huntsman wird eine Strategie finden müssen zwischen einem notwendigen Mindestmaß an Verständigung (wirtschaftlich, in Syrien), der offenen Konfrontation und einem Präsidenten und seinem Umfeld, gegen den ein Sonderermittler wegen möglicher Absprachen mit Russland im Wahlkampf ermittelt.

Huntsman ist geeignet für den schwierigen Job

Jon Huntsman, da sind sich die amerikanischen Beobachter einig, ist bestens geeignet für die Aufgabe. Der 1960 geborene Republikaner und Mormone stammt aus einer kalifornischen Milliardärs- und Philanthropenfamilie. Unter George Bush Senior war er Botschafter in Singapur. Als Gouverneur von Utah machte er ab 2003 eine moderat republikanische, teils sogar progressive Politik. Er setzte sich ein für den Kampf gegen den Klimawandel und erhöhte den Mindestlohn.

Barack Obama machte ihn 2009 zu seinem Botschafter in China. Huntsman spricht Mandarin und war als Missionar seiner Kirche zuvor länger in Taiwan. In China, so Beobachter, setzte er durchaus klare Zeichen für die Menschenrechte, ohne China als Handelspartner zu verprellen. Einen kleinen diplomatischen Aufruhr verursachte er, als er 2011 im Gespräch mit chinesischen Antiregierungsdemonstranten fotografiert wurde – eine Zufallsbegegnung, wie die Botschaft betonte. Klar war jedoch auch, dass Huntsman zu anderen Gelegenheiten gezielt den Kontakt zur Bevölkerung gesucht hatte.

2012 kandidierte er im republikanischen Präsidentschaftsvorwahlkampf, den er gegen Mitt Romney verlor. Im Wahlkampf 2016 unterstützte er John McCain gegen Donald Trump. Ironischerweise macht ihn das in der gegenwärtigen Situation noch klarer zum perfekten Kandidaten für den Job.

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