Politik : Scientology-Debatte: Bezahlt Hollywood Deutschland-Kritiker?

Robert von Rimscha

Der republikanische Repräsentantenhaus-Abgeordnete Mark Foley aus Florida droht, Glaubensfreiheit in Deutschland zum Thema bei der Welthandelsorganisation WTO zu machen. Den Vorsitz der Kongress-Anhörung am Mittwoch in Sachen Microsoft-Boykott leitete Ben Gilman aus New York. Gilman, Foley, der Republikaner Matt Salmon (Arizona) und der Senator aus Wyoming, Mike Enzi, gehören zur ständigen Schar der Deutschland-Kritiker.

Andererseits sind es auch stets dieselben Berühmtheiten aus Hollywood, die ihre Namen für Scientology-Angelegenheiten hergeben. Das Schauspieler-Ehepaar Tom Cruise und Nicole Kidman, John Travolta, der Jazz-Musiker Chick Corea, die TV-Juristin Gretta Van Susteren sowie die Schauspielerinnen Anne Archer und Catherine Bell gehören dazu. Der Tagesspiegel hat auf der Basis der Akten der "Federal Election Commission", die Parteispenden verbucht, untersucht, ob sich Querverbindungen herstellen lassen: Spenden die Scientology-Anhänger aus Hollywood an die Scientology-Anwälte im US-Kongress? Erhalten diese nennenswerte Summen von der angeblichen Kirche?

Die Antwort lautet zweimal Nein. John Travolta und Chick Corea, deren Namen bei der Frage, ob Deutschland Scientology-Künstler boykottiere, ständig auftauchen, haben beide seit 1993 keine einzige verbuchte Spende an Politiker geleistet. Lediglich Cruise und Kidman spenden regelmäßig. Tom Cruise hat seit 1998 elf Schecks ausgestellt, seine Frau Nicole Kidman im selben Zeitraum sieben. Hauptnutznießer des Geldes, insgesamt 58 000 Dollar, sind keine Pro-Scientology-Abgeordneten, sondern Hillary Clinton (14 000 Dollar), der demokratische Minderheitenführer im Senat, Tom Daschle (2000 Dollar) und Vizepräsident Al Gore (5000 Dollar).

Ebenso deutlich ist das Bild, untersucht man die Haupt-Einnahmequellen der Scientology-Verteidiger im Kongress. Gilman erhielt Spenden der Vertreter von Piloten, Albanern, Anwälten, Lokführern und Boeing-Beschäftigten; unter den vielen Hundert Spendern findet sich aber niemand aus dem Kirchen-Umfeld. Enzi nahm Geld von Zuckerrüben-Pflanzern, Kleinhändlern, Rinderzüchtern und von den Firmen Coors, JP Morgan und GE ein, aber nicht von Scientology. Der Einsatz für die "Kirche" ist offenbar nicht finanziell motiviert - zumindest nicht direkt.

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