Seeräuber : FDP für Einsatz von KSK-Elitesoldaten gegen Piraten

Nach der neuerlichen Entführung eines deutschen Schiffs im Golf von Aden will die FDP die Bundeswehr-Spezialeinheit „Kommando Spezialkräfte“ (KSK) zur Geiselbefreiung aus der Gewalt von Piraten einsetzen.

Robert Birnbaum
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Trotz der internationalen Militärpräsenz gibt es immer wieder Entführungen von Schiffen. Foto: AFP

Berlin - Nach der neuerlichen Entführung eines deutschen Schiffs im Golf von Aden will die FDP die Bundeswehr-Spezialeinheit „Kommando Spezialkräfte“ (KSK) zur Geiselbefreiung aus der Gewalt von Piraten einsetzen. Die FDP-Verteidigungsexpertin Birgit Homburger forderte Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) am Mittwoch auf, die Spezialeinheit gezielt auf solche Einsätze vorzubereiten und dann auch in den Einsatz zu schicken. „Wer die Bundeswehr mit der Bekämpfung der Piraterie betraut, muss ihr auch die notwendigen Fähigkeiten mitgeben“, sagte Homburger dem Tagesspiegel. Eine zusätzliche Legitimation durch den Bundestag sei dafür nicht notwendig. Das Mandat für die EU-Mission „Atalanta“ vor der Küste Ostafrikas sehe ausdrücklich die „Beendigung“ von seeräuberischen Handlungen auch mit Gewalt vor. Das KSK statt der Polizeitruppe GSG 9 mit der Geiselbefreiung zu betrauen, habe überdies den Vorteil, dass die Führung eines solchen Einsatzes „unzweideutig in einer Hand“ bei den Militärs liegen würde.

Homburger betonte, das KSK sei von Ausbildung und Ausrüstung her „grundsätzlich“ zur Befreiung von Geiseln in der Lage. Auch mit Blick auf denkbare künftige Auslandseinsätze der Bundeswehr wäre es aber sinnvoll, die Truppe noch einmal gezielt für diese Aufgabe auszubilden und auszustatten.

Unterdessen ist bekannt geworden, dass Piraten im Golf von Aden erneut ein deutsches Frachtschiff gekapert haben. Die „MV Victoria“ sei am Dienstag rund 75 Kilometer südlich des jemenitischen Hafens Al Mukalla angegriffen worden, teilte die US-Marine am Mittwoch mit. Der Frachter wurde nach Angaben aus Bukarest mit elf rumänischen Besatzungsmitgliedern entführt, Deutsche waren nach Angaben der EU-Mission „Atalanta“ nicht an Bord.

Der 146 Meter lange Frachter hat laut „Atalanta“ rund 10 000 Tonnen Reis an Bord und war auf dem Weg zum Hafen von Dschidda in Saudi-Arabien. Das unter der Flagge des Karibikstaates Antigua und Barbuda fahrende Schiff war nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Berlin in einem Konvoi von mehreren Schiffen unterwegs, der nicht von einem Kriegsschiff begleitet wurde.

Eine türkische Fregatte sei zum Zeitpunkt des Angriffs 80 bis 100 Seemeilen entfernt gewesen, sagte Ministeriumssprecher Thomas Raabe. Als die Soldaten eintrafen, hätten die Piraten die „MV Victoria“ bereits geentert gehabt. Das Schiff habe eine niedrige Reeling und sei daher leicht zu entern. Die Mission „Atalanta“ könne das Gebiet zudem nicht „lückenlos“ abdecken, sagte Raabe. Der Angriff sei „bei hellem Tageslicht am Nachmittag“ erfolgt, sagte ein „Atalanta“-Sprecher. Ein Hubschrauber des nächstgelegenen Kriegsschiffes habe die Entführung nicht mehr verhindern können. Der Überfall sei innerhalb weniger Minuten vonstatten gegangen. Das „Überraschungsmoment war auf Seiten der Piraten“, sagte der Sprecher. Die Regierung von Antigua und Barbuda erklärte, an dem Angriff seien acht Piraten beteiligt gewesen. Die rumänische Firma, welche die Besatzung angeheuert hatte, erklärte, die elf Männer der Mannschaft im Alter von 22 bis 64 Jahren seien wohlauf.

Die „MV Victoria“ ist aktuell das dritte Schiff einer deutschen Reederei in den Händen somalischer Piraten. Anfang April wurde die „MV Hansa Stavanger“ der Reederei Leonhardt und Blumberg 400 Seemeilen vor Somalia entführt. Der Kapitän und vier leitende Offiziere sind deutsche Staatsbürger, außer ihnen sind 19 weitere Besatzungsmitglieder Geiseln der Piraten. Ein GSG-9-Einsatz zu ihrer Befreiung wurde vergangene Woche wegen zu hoher Risiken abgeblasen. Ebenfalls in der Gewalt von Piraten ist der deutsche Getreidefrachter „Patriot“. Das unter maltesischer Flagge fahrende Schiff hat 17 Besatzungsmitglieder.

Insgesamt haben somalische Piraten mindestens 20 Schiffe in ihrer Gewalt. Sie verlangen Lösegelder für mehr als 300 Besatzungsmitglieder. Nach Angaben des Internationalen Schifffahrtsbüros (IMB) haben sich die Angriffe in den ersten Monaten 2009 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verzehnfacht. mit AFP

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