• Selbstmordattentäter sprengt in Jerusalem Bus in die Luft Zehn weitere Menschen sterben, rund 50 werden schwer verletzt

Politik : Selbstmordattentäter sprengt in Jerusalem Bus in die Luft Zehn weitere Menschen sterben, rund 50 werden schwer verletzt

Charles A. Landsmann

Fast zur gleichen Zeit, als die letzten Vorbereitungen für den Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hisbollah getroffen worden sind, hat sich in Jerusalem ein Palästinenser in einem Linienbus in die Luft gesprengt. Zehn weitere Menschen starben, mindestens 50 wurden zum Teil schwer verletzt. Damit ist das Attentat der blutigste Anschlag seit Anfang Oktober; damals hatte eine Palästinenserin 21 andere Menschen mit in den Tod gerissen.

Im hinteren Teil des Linienbusses 19 in unmittelbarer Nähe zur Residenz des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon zündete der 24-jährige Täter am Donnerstag ein sieben Kilo schweres Sprengstoffpaket, das er in einer Tasche mit sich trug. Der voll besetzte Bus wurde völlig zerstört, die hintere Hälfte des Dachs wurde abgerissen. Der Regierungschef allerdings befand sich zu diesem Zeitpunkt auf seinem Landsitz im Süden Israels.

Zu dem Anschlag bekannten sich wenig später die Al-Aksa-Brigaden, wie aus palästinensischen Sicherheitskreisen verlautete. Der Täter stammte demnach aus Bethlehem und gehörte der palästinensischen Polizei an. Er hinterließ eine Nachricht, in der er seine Tat als Rache für den Tod von acht Palästinensern bezeichnet, die am Mittwoch bei einer israelischen Offensive im Gaza-Streifen ums Leben kamen. Die Al-Aksa-Brigaden stehen in lockerer Verbindung mit der vom palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat geleiteten Fatah-Organisation.

Die israelische Regierung ließ sich durch den Anschlag zwar nicht davon abbringen, den Gefangenenaustausch mit der Hisbollah zu einem Ende zu bringen. Jedoch sagten Scharon und Außenminister Silvan Schalom ein für den Abend geplantes Treffen mit Vertretern der Palästinenser und des amerikanischen Außenministeriums ab. Scharons Sprecher Raanan Gissin sagte, der Anschlag mache deutlich, warum Israel einen Zaun zu den palästinensischen Gebieten im Westjordanland errichte. „Der Rest der Welt sollte sich zurückhalten und uns tun lassen, was zu unserer Verteidigung nötig ist“, entgegnete Gissin zur internationalen Kritik am Bau der Sperranlagen.

Die palästinensische Autonomiebehörde unter Ministerpräsident Ahmed Kurei verurteilte in einer offiziellen Erklärung den Anschlag sowie jede Gewaltanwendung gegen unschuldige Zivilisten. „Dieser schreckliche Kreislauf kann nur mit der Erneuerung eines ernst gemeinten Friedensprozesses durchbrochen werden“, sagte der palästinensische Chefunterhändler Sajeb Erakat. „Sonst gebiert Gewalt immer nur neue Gewalt.“ Zuvor hatten die beiden amerikanischen Vermittler John Wolf und David Southerfield dem israelischen Verteidigungsminister Schaul Mofas mitgeteilt, dass Kurei sich ihnen gegenüber endlich zu einem Treffen mit Scharon ohne Vorbedingungen bereit erklärt habe. Scharon seinerseits hatte Kurei ein solches Treffen seit dessen Amtsantritt angeboten, war jedoch bisher bei diesem auf taube Ohren gestoßen.

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