Sex und Prostitution : Papst relativiert Äußerungen zu Kondomen

Benedikt XVI. will Morallehre und pastorale Praxis nicht ändern. Was aber bleibt, ist ein neuer Ton aus dem Vatikan zum Thema Sexualität.

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Vier Wochen nach der Veröffentlichung seines Interview-Buches „Licht der Welt“ hat Papst Benedikt XVI. die am stärksten beachteten Passagen in eine lehramtlich gültige Form gebracht: jene über die „Banalisierung der Sexualität“ – über das Kondom. In einer „Note der Glaubenskongregation“ ließ er mitteilen: „Die Worte des Papstes ändern weder die Morallehre noch die pastorale Praxis.“

Bleibt also alles beim alten, unerbittlichen Kondomverbot? Benedikt will diesen Anschein erwecken. Aus dem Ton seiner „Note“ wird – wie schon im Falle der Pius-Brüder – deutlich, wie sehr er bemüht ist, die Erzkonservativen mitzunehmen, wie sehr er Angst hat vor allem, was als „Bruch“ in der katholischen Lehre interpretiert werden könnte.

Benedikt will ausdrücklich nicht vom einzigen Ort katholisch erlaubter Sexualität sprechen: von der Ehe. Deren Geschlechtsakte müssen „offen sein für die Erzeugung von Nachkommen“. Ein Kondom verhindert das, ist und bleibt also verboten – selbst wenn ein HIV-positiver Ehepartner den anderen nur vor Aids schützen will. An diese von Moraltheologen längst durchdachte Differenzierung traut sich Benedikt nicht heran. Die „Note“ verharrt also bei der Prostitution. Der Papst hatte gesagt, ein Kondomgebrauch durch Prostituierte „in der Absicht, Ansteckungsgefahr zu verringern“, könne „ein erster Schritt sein zu einer Moralisierung, zu einer anders gelebten, menschlicheren Sexualität“. Das hatten erzkonservative Theologen so verzerrt, als wolle er die Prostitution um Moralballast erleichtern und einen Weg vom „Safer Sex“ zur „Safer Sin“, zur unbedenklichen Sünde, ebnen.

Doch Benedikt hält fest, Prostitution bleibe „schwer sündhaft“ und müsse bekämpft werden; Kondome milderten das Übel und die „menschliche Verwahrlosung hinter der Aids-Pandemie“ nicht. Streng betrachtet, erlaubt Benedikt das Kondom nicht, er respektiert nur das Bemühen einzelner „Sünder“, „Achtung vor dem Leben des anderen“ zu zeigen.

Das aber ist in der Tat ein neuer Ton aus dem Vatikan. Dort misst man den Fortschritt in Millimetern.

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