Sicherheit : Alle 18 Sekunden verunglückt ein Kind

Giftiges Spielzeug, veraltete Geräte, ungesicherte Gartenteiche: Die meisten Gefahren für Kinder lauern im Haushalt oder auf dem Spielplatz. Die Kinder in Watte zu packen, ist aber auch keine Lösung, sagen Experten.

BerlinAlle 18 Sekunden verunglückt nach Angaben von Experten ein Kind in Deutschland so schwer, dass es zum Arzt muss. Mehr als 300 Mädchen und Jungen haben deshalb am Dienstag vor dem Berliner Reichstag Eltern, Erzieher und Politiker zu einem besserem Unfallschutz aufgefordert. Mit Fahrradklingeln und Trommeln machten sie auf Gefahren zu Hause oder auf Spielplätzen aufmerksam.

Mehr als 60 Prozent der Unfälle im Kindergarten- und Grundschulalter geschehen nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft "Mehr Sicherheit für Kinder" (BAG) zu Hause und auf dem Spielplatz - oft auch durch unsichere Produkte oder Spielgeräte.

Fensterriegel und Herdschutzgitter

Allein 2006 kamen laut BAG bundesweit 336 Kinder bei Unfällen ums Leben. Durch technische Vorkehrungen wie etwa Fensterriegel oder Herdschutzgitter ließen sich viele Unglücksfälle vermeiden, sagte Märzheuser. Vor allem kleine Kinder unter fünf Jahren seien im Haushalt besonders gefährdet. Eltern sollten ihre Kinder allerdings "nicht in Watte packen", sondern sie darin schulen, Gefahren besser erkennen zu können, sagte BAG-Präsidentin Stefanie Märzheuser.

Die BAG forderte die Politik auf, Grundlagen für eine bessere Produktsicherheit zu schaffen. Kommunen müssten Spielplätze besser in Ordnung halten. Außerdem müsse das Recht von Kindern auf Sicherheit mehr Gewicht bekommen, forderte die SPD-Abgeordnete Marlene Ruppert als Mitglied der Kinderkommission des Bundestages. Notwendig sei unter anderem die Einführung eines regelmäßigen Präventionsberichts der Bundesregierung zur Ursachenforschung bei Kinderunfällen, um gezielte Schutzmaßnahmen zu ermöglichen.

Chemie im Plastikspielzeug

Darüber hinaus müssten die Sicherheitsstandards der Europäischen Union für Kinderspielzeug erhöht werden, etwa mit Blick auf die Beimischung chemischer Zusatzstoffe bei Plastikspielzeug.

Die BAG hat sich zum Ziel gesetzt, die Zahl der Kinderunfälle in Deutschland in den kommenden fünf Jahren um 20 Prozent zu verringern. Von 2009 an sollen auch Acht- bis Zwölfjährige eigene Vorschläge für mehr Unfallschutz mit der Arbeitsgemeinschaft ausarbeiten. (svo/dpa/ddp)

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