Sicherheit beim Fliegen : Illusionen über den Wolken

Die Realität der Billig-Airlines: Wenn Flüge nur noch 17 Euro kosten, wird gespart – auch an der Sicherheit. Ein Kommentar.

Arno Makowsky
Nicht auszudenken, wie Betroffene die derzeitige Diskussion empfinden.
Nicht auszudenken, wie Betroffene die derzeitige Diskussion empfinden.Foto: Reuters

Zunächst: Niemand braucht ein mulmiges Gefühl zu haben, wenn er in ein Flugzeug steigt – schon gar nicht bei der Lufthansa. Die Statistiken über gravierende Zwischenfälle im Flugverkehr lesen sich extrem beruhigend. 106 Millionen Fluggäste beförderten beispielsweise die Lufthansa und ihre Tochtergesellschaften im Jahr 2014. Unfälle: null. Zu Recht ist die deutsche Airline stolz auf ihre – wie man das dort nennt – Sicherheitskultur. Und nach wie vor gilt der Spruch, dass das Gefährlichste am Fliegen die Autofahrt zum Flughafen ist.

Und doch ist bedenkenswert und auch ein wenig beunruhigend, was Jörg Handwerg, der Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, gegenüber dem Tagesspiegel gesagt hat: Aufgrund der Sparmaßnahmen nehme die Sicherheit im internationalen Flugverkehr auf lange Sicht ab.

Auf gute Ausbildung wird zu wenig Wert gelegt

Ist das nun Alarmismus, oder muss man Handwergs Warnungen ernst nehmen, dass in Zukunft „beispielsweise alle fünf Jahre statt alle zehn Jahre“ ein Flugzeug abstürzen könnte? Sicher, der Mann ist nicht nur Flugkapitän, sondern auch Gewerkschafter und als solcher dazu angehalten, alles zu geißeln, was mit Sparen und womöglich Personalabbau zu tun hat. Deshalb ist es kein Wunder, dass er anmahnt, viele Fluglinien würden zu wenig Wert auf gute Ausbildung und genügend Trainingseinheiten am Simulator legen – auch wenn das auf seinen eigenen Arbeitgeber, die Lufthansa, offensichtlich nicht zutrifft. Aber auch abseits von Gewerkschafts-Rhetorik klingen seine Argumente schlüssig.

Dass viele Airlines ihren Piloten aus Kostengründen vorschreiben, wie viel Sprit sie für eine bestimmte Strecke tanken dürfen, anstatt diese Einschätzung der Crew zu überlassen, ist unbestritten. Man muss kein Luftfahrtexperte sein, um zu ahnen, dass dies der Sicherheit nicht dient. So wenig wie die Tatsache, dass nicht alle Fluglinien ihr Personal sorgfältig in einer eigenen teuren Flugschule ausbilden und später zur Fortbildung schicken. Wenn Cockpit-Sprecher Handwerg behauptet, all dies mache sich auf Dauer an der Sicherheit bemerkbar, ist das nachvollziehbar.

Enorme Konkurrenz im Fluggeschäft

Allzu gerne schenkt man als Flugpassagier den Beteuerungen der Billig-Airlines Glauben, auf keinen Fall könne etwas passieren. Das ist es doch, was man immer zu hören bekommt: Auch wenn alles noch so spartanisch ist – die Sitze eng sind und nur eine Stewardess für den ganzen Flieger ein laues Mineralwasser serviert – an der Sicherheit werde nicht gespart. Wird es eben doch. Vielleicht gilt es, sich von dieser Illusion zu verabschieden: Dass ein System, das Flüge für 17 Euro ermöglicht, auf Dauer den gleichen teuren Sicherheitsstandard gewährleisten kann wie heute.


Dabei ist angesichts der enormen Konkurrenz im Fluggeschäft natürlich verständlich, dass die Linien alles tun, um profitabel zu arbeiten. Doch was fällt Managern üblicherweise dazu ein? Klar: hier ein paar Leute weniger, dort eine „schlankere“ Struktur. Und gibt es nicht bei den Fortbildungen noch ein paar „Einsparpotenziale“?
In vielen Branchen ist diese Denkweise für die Beschäftigten ärgerlich. Im Luftverkehr ist sie gefährlich.

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