Politik : Sicherheitsrat stimmt über Ban als neuen UN-Chef ab

Ruth Ciesinger

Berlin - Nachdem vergangene Woche noch sechs Kandidaten um die Nachfolge von Kofi Annan als UN-Generalsekretär kämpften, entscheidet am heutigen Montag der Weltsicherheitsrat nurmehr über einen einzigen Kandidaten. Zu eindeutig war vor sieben Tagen die erneute Probeabstimmung für Südkoreas Außenminister Ban Ki Moon ausgefallen. Eine Enthaltung gab es und 14 Ja-Stimmen, darunter alle fünf Vetomächte des Rats. Weil danach niemand mehr an einem Sieg Bans zweifelte, zogen die übrigen Mitbewerber ihre Kandidatur zurück.

Mit dem Beschluss im Sicherheitsrat steht der Nachfolger Annans fest. Zwar muss offiziell noch die Generalversammlung über ihn entscheiden, doch gibt es keinen Grund anzunehmen, dass diese dem 62-jährigen Südkoreaner ihre Gefolgschaft verweigert. Dass noch im Oktober, fast drei Monate vor dem offiziellen Amtsantritt des neuen Generalsekretärs am 1. Januar 2007, mit der „Übergabe“ begonnen werden kann, hat man in New York überrascht, aber erfreut zur Kenntnis genommen. Denn mit dem Generalsekretär wechseln auch andere Posten im UN-Sekretariat. Entscheidungen, wen Annans potenzieller Nachfolger zum Beispiel zu seinem Stellvertreter machen wird, werden mit großem Interesse erwartet. Bisher gilt Ban zwar als vollendeter Diplomat, der es geschafft hat, während seiner Kampagne keines der ständigen Mitglieder im Sicherheitsrat vor den Kopf zu stoßen und die USA sowie China gleichermaßen für sich einzunehmen. Dafür wird ihm vorgehalten, nicht genügend Format und vielleicht auch gar nicht das Interesse zu haben, in politischen Fragen dem einen oder anderen ständigen Mitglied im UN-Sicherheitsrat entgegenzutreten. Die Auswahl seiner Mitarbeiter könnte darüber Aufschluss geben, ob solche Bedenken gerechtfertigt sind.

Möglicherweise will Ban jetzt selbst zeigen, dass er Chefdiplomat der Weltorganisation sein möchte. Er kündigte an, er wolle im Fall seiner Wahl mit Nordkorea über ein Ende der atomaren Aktivitäten des Landes verhandeln. Wenn nötig, werde er selbst die Initiative ergreifen und den Norden wie den Süden des geteilten Korea besuchen.

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