Politik : Silvio Berlusconi: Der Kampf der Zivilisationen

Wenn der italienische Ministerpräsident, Medienunternehmer und Fußballpräsident Silvio Berlusconi am heutigen Samstag seinen 65. Geburtstag feiert, dürfte es an Gratulanten nicht fehlen. Berlusconis europäische Amtskollegen könnten aber mit den Glückwünschen möglicherweise etwas zurückhaltend sein - schließlich ist der konservative Unternehmer-Politiker gerade kräftig ins Fettnäpfchen getreten. Berlusconi hatte während seines Besuchs in Berlin in einer Reaktion auf die Terror-Anschläge in den USA vor italienischen Journalisten gesagt, man könne nicht alle Zivilisationen über einen Kamm scheren: "Wir müssen uns unserer Vorherrschaft und der Überlegenheit unserer westlichen Zivilisation bewusst sein." Weiter hatte er gesagt, die Welt müsse "verwestlicht" werden.

Auch wenn Berlusconi bei einer Kabinettssitzung sagte, er sei fehlinterpretiert worden, stießen die Äußerungen vor allem in der arabischen Welt auf scharfe Kritik. Die Arabische Liga verlangt eine formelle Entschuldigung Berlusconis. Auch in der EU riefen die Worte des Regierungschefs Widerspruch hervor. So ging die Bundesregierung auf deutliche Distanz. "Wir sind gegen jede Art der Diskriminierung und Pauschalisierung", sagte Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye am Freitag vor Journalisten in Berlin. Heye vermied es allerdings, Berlusconi direkt zu kritisieren. Vielmehr sei es Sache Berlusconis, zu seinen Äußerungen Stellung zu nehmen, sagte der Regierungssprecher. Heye bekräftigte die Position der Bundesregierung sowie der Europäischen Union, wonach es nach den Anschlägen in den USA ausschließlich um die Bekämpfung des Terrorismus gehe, nicht aber um einen Kampf der Kulturen oder der Religionen.

Heye sagte dazu am Freitag, in dem Gespräch zwischen Schröder und Berlusconi habe dessen Bewertung der westlichen Zivilisation keine Rolle gespielt. Die Bundesregierung habe aber hinreichend deutlich gemacht, dass die Bewertung Berlusconis nicht ihre Auffassung sei. Schröder lege großen Wert darauf, dass die islamisch-gläubige Welt in die internationale Koalition gegen den Terrorismus einbezogen sei.

Aus Protest gegen Berlusconis Äußerungen wurde inzwischen auch Italiens Senatspräsident Marcello Pera von einem offiziellen Termin in Paris ausgeladen. Der Präsident der französischen Nationalversammlung, Raymond Forni, sagte ein Treffen Anfang Oktober mit Pera ab. Berlusconis Bemerkungen seien schockierend und verletzend, erklärte der Sozialist Forni.

Mittlerweile bemüht sich Italiens Regierungschef darum, die Wogen wieder zu glätten. Am kommenden Dienstag will Berlusconi in Rom akkreditierte islamische Diplomaten empfangen.

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