Politik : Solana wird die UCK notfalls mit Gewalt entwaffnen lassen

PRISTINA (Tsp). Die Außenminister Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens und Italiens haben am Mittwoch nachmittag gemeinsam das Kosovo besucht. Joschka Fischer, Hubert Vedrine, Robin Cook und Lamberto Dini trafen mit dem Kommandeur der Kosovo-Friedenstruppe (KFOR), General Michael Jackson, in Pristina zusammen. Dort schloß sich der Gesprächsrunde auch der französische Verteidigungsminister Alain Richard an. Geplant waren außerdem auch Gespräche mit dem amtierenden Administrator des UN-Protektorats, Sergio Vieira de Mellon. Vor dem Treffen mit General Jackson hatte Fischer gemeinsam mit Verteidigungsminister Rudolf Scharping das deutsche KFOR-Kontingent in Prizren besucht.

Die KFOR wird nach den Worten von Nato-Generalsekretär Javier Solana die kosovo-albanische Untergrundarmee UCK "notfalls mit Gewalt" entwaffnen. In einem Interview der Zeitung "Die Woche" sagte Solana: "Die UCK hat künftig eine politische Rolle zu spielen und keine militärische." Nach dem Abkommen zur Entmilitarisierung der UCK wächst der Widerstand innerhalb der Rebellenarmee gegen die Abgabe ihrer Waffen. Der als Hardliner bekannte UCK-Kommandeur Rustem Mustafa sagte, das Abkommen zwischen der Nato und der UCK bedeute nicht das Ende der Rebellenarmee oder ihres Kampfes für ein unabhängiges Kosovo. Die Kämpfer hätten der Abgabe ihrer Gewehre nicht zugestimmt.

In Washington bestätigte unterdessen das US-Verteidigungsministerium Berichte, wonach russische Söldner auf serbischer Seite im Kosovo gekämpft hatten. Die Rolle der Russen werde bei den generellen Ermittlungen von Kriegsverbrechen in der serbischen Provinz geklärt werden, sagte Pentagon-Sprecher Kenneth Bacon. Das Pentagon habe Beweise, daß Russen bei Aktionen paramilitärischer und anderer serbischer Kräfte beteiligt gewesen seien. Die Zeitung "Newsday" hatte berichtet, Dutzende Russen hätten sich an der Ermordung von Kosovo-Albanern und der Zerstörung ihrer Häuser beteiligt. Bundeswehr-Soldaten hätten in der vergangenen Woche rund 60 Russen aus dem Kosovo verwiesen.

Mit rund zwei Milliarden Euro (vier Milliarden Mark) will die EU-Kommission in den kommenden drei Jahren die europäische Agentur für den Wiederaufbau im Kosovo ausstatten. Nach der wöchentlichen Sitzung der Kommission teilte der für die Region zuständige EU-Außenkommissar Hans van den Broek am Mittwoch in Brüssel mit, nach den Erfahrungen mit der Wiederaufbau-Arbeit in Bosnien-Herzegowina müßten jährlich zwischen 500 bis 700 Millionen Euro veranschlagt werden. Eine Expertengruppe werde in der kommenden Woche in das Kosovo reisen.

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