Politik : Sommertheater: Vorhang auf - PDS

Matthias Meisner

Der PDS kommt im Sommertheater nicht mehr als die Rolle eines Überraschungsgastes zu: Inhaltlich schwach präpariert, hat sie in den vergangenen zehn Jahren auf Bundesebene kaum Gehör gefunden. Wichtig wurde sie nur, wenn einer, wie weiland Peter Hintze bei der Roten-Socken-Kampagne, gegen sie anfocht. Jetzt hat Gerhard Schröder beim Steuer-Deal gezeigt, wie die PDS mit Hilfe von außen aufgewertet werden kann. Weil des Kanzlers Machtpolitik lange nicht am Ende ist, will er die PDS auch beim Rentenkonsens am Tisch haben.

Der Überraschungsgast

Doch wenn die PDS daraus Kapital schlagen will, muss sie sich erst selbst finden. Seit dem angekündigten Rückzug von Lothar Bisky und Gregor Gysi wirkt die Partei führungslos. Allzugern würden die Parteistrategen Schluss machen mit der Selbstbeschäftigung. In den Schubladen des Karl-Liebknecht-Hauses liegen Details einer Aktion unter dem Motto "Die Regierung macht Ferien. Wir machen Politik!" 50 Sommer-Tage lang soll die Öffentlichkeit traktiert werden mit Erklärungen, Briefen, Artikeln, Forderungen und Aktionen - bis niemand mehr was von der PDS hören will. Ob der Auftritt gelingt? Auch wenn die Kader gesprochen haben, dass Roland Claus künftig die Bundestagsfraktion und Gabriele Zimmer die Partei führen sollen, reicht das noch lange nicht für einen festen Platz der Sozialisten auf der bundespolitischen Bühne. Oder gar für eine Hauptrolle in den Talkshows, in denen Gysi brillierte wie kein anderer. Seltsam blass sind die Akteure, die die PDS aus der Krise bringen wollen. Bundesgeschäftsführer Bartsch weinte zum Start der Sommer-Aktion im "Neuen Deutschland", seine Partei werde bundespolitisch zu wenig wahrgenommen. Jetzt sollen PR-Strategen die Kraft aufbieten, die die Partei nicht hat - oder Schröder sorgt dafür, dass die PDS im Westen ankommt.

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