Soziale Ungleichheit in Deutschland : Viel Reichtum, wenig Zusammenhalt

In Deutschland war die soziale Spaltung noch nie so groß wie jetzt. Das hat ein Sozialgutachten des Paritätischen Gesamtverbandes ergeben. Die Autoren nennen auch einen Schuldigen – und zwar die Politik.

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Laut einer Untersuchung des Paritätische Gesamtverbandes ist die soziale Ungleichheit in Deutschland so hoch wie nie zuvor.
Laut einer Untersuchung des Paritätische Gesamtverbandes ist die soziale Ungleichheit in Deutschland so hoch wie nie zuvor.Foto: dpa

Der Paritätische Gesamtverband hat den prächtigen Wirtschaftsdaten ein düsteres Bild zur sozialen Lage in Deutschland gegenübergestellt. Niemals zuvor sei die Spaltung zwischen Arm und Reich größer gewesen, sagte Verbandschef Rolf Rosenbrock bei der Präsentation eines Sozialgutachtens, das sich auf amtliche Daten zu Arbeitsmarkt, Sozialausgaben, Einkommenssituation und Vermögensverteilung stützt. Am wachsenden Wohlstand des Landes hätten immer weniger Menschen teil, lautet der Befund. Die Gesellschaft drifte in alarmierender Weise auseinander, der soziale Zusammenhalt sei akut gefährdet.

Die Studie liefert dafür zahlreiche Belege. Die Armutsquote habe mit 15,2 Prozent einen Höchststand erreicht – 2008 lag sie noch bei 14,4 Prozent. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen stagniere auf ungebrochen hohem Niveau. „Gute Arbeit“ werde immer seltener – so viele Mini- Jobs, Teilzeitbeschäftigungen und befristete Arbeitsverhältnisse wie derzeit habe es noch nie gegeben. Und während das Privatvermögen in Deutschland niemals so hoch war wie heute, säßen auch so viele wie noch nie in der Schuldenfalle. Jeder zehnte Erwachsene gilt als überschuldet.

Die Politik macht es nur schlimmer

Statt dieser Entwicklung gegenzusteuern, habe die Politik die Ungleichheit in den vergangenen Jahren weiter verstärkt, so die Autoren. Auch Schwarz-Rot habe daran bisher nichts geändert. Das Thema Kinderarmut komme im Koalitionsvertrag nicht vor, die gesellschaftliche Spaltung im Gesundheitssystem werde weiter vorangetrieben, die Energiewende nicht sozialpolitisch flankiert. Und weder die Rente mit 63 noch der an sich begrüßenswerte Mindestlohn seien wirksame Instrumente zur Armutsbekämpfung.

Der Verband kündigte an, die soziale Lage künftig jedes Jahr unter die Lupe nehmen zu wollen. Damit wolle man „ein „Korrektiv zur einseitigen ökonomistischen Perspektive des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung“ etablieren, sagte Rosenbrock. Deutschland sei schließlich „nicht nur Wirtschaftsstandort, sondern vor allem Lebensstandort“.

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