Spanien vor Zerreißprobe : Nationalisten siegen bei Regionalwahl in Katalonien

Der Parteienblock von Ministerpräsident Artur Mas gewinnt die vorgezogene Regionalwahl in Katalonien, verfehlt aber offenbar die absolute Mehrheit. Damit ist das Referendum zur Unabhängigkeit von Spanien aber noch nicht vom Tisch.

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Artur Mas.
Artur Mas.Foto: Reuters

Nach der vorgezogenen Regionalwahl im nordspanischen Katalonien steuert Spanien auf eine Zerreißprobe zu. Den Prognosen zufolge waren die katalanischen Unabhängigkeitsbefürworter bei der Abstimmung am Sonntag erfolgreich. Nach ersten Nachwahlbefragungen am Abend schnitt der regierende nationalliberale Parteienblock CiU von Ministerpräsident Artur Mas jedoch schlechter ab als bei den Wahlen vor zwei Jahren, während die nationalistische Linke ERC deutliche Stimmengewinne für sich verbuchen konnte.

Für den Fall eines Wahlsiegs hat Ministerpräsident Mas ein Referendum über die Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien angekündigt.

Bisher regierte die bürgerliche CiU, die sich an die Spitze der katalanischen Separatistenbewegung gesetzt hat, mit rund 38 Prozent der Stimmen und 62 Mandaten. Nach Angaben des Senders TV3 errang der Parteienblock am Sonntag 54 bis 57 der insgesamt 135 Sitze. Damit rückte für Mas die von ihm angestrebte absolute Mehrheit in weite Ferne.

Allerdings unterstützen die linken katalanischen Parteien ERC und ICV, die in der vergangen Wahl im Jahr 2010 jeweils etwa sieben Prozent und jeweils zehn Mandate errangen, ebenfalls die Unabhängigkeitspläne von Kataloniens Ministerpräsident.

Mas gilt als Meister der Selbstinszenierung. Der 56-Jährige betrachtet es als seine Mission, aus Katalonien einen „eigenen Staat in Europa“ zu machen. Erst seit zwei Jahren, seit 2010, ist Mas Ministerpräsident der industriestärksten Region Spaniens, in der 7,5 Millionen Menschen leben. Eine Region, die mit ihrer kreativen Mittelmeermetropole Barcelona und attraktiven Stränden an der Costa Brava jedes Jahr Millionen ausländische Urlauber anzieht. Zudem beherbergt Katalonien mit dem FC Barcelona auch den derzeit erfolgreichsten spanischen Fußballklub.

In den zwei Jahren seiner Amtszeit impfte Regierungschef Mas den Katalanen die Botschaft ein, dass ihre Zukunft außerhalb Spaniens liege. Unter ihm ist der katalanische Nationalismus gewachsen. Bereits vor einem Jahr stimmten bei einer inoffiziellen Volksbefragung in der Millionenstadt Barcelona 90 Prozent der Wähler – darunter auch Mas – für den Bruch mit Spanien; in 500 weiteren Orten im Land gab es ähnliche symbolische Abstimmungen.

Im September 2012 erlebte Katalonien, das seit Jahrhunderten eine eigene Sprache und Kultur pflegt, die größte antispanische Massendemonstration aller Zeiten. Die Demonstration animierte Mas dazu, Neuwahlen auszurufen und daraus einen Stimmungstest für die Unabhängigkeit zu machen. Bei der Massendemonstration im September halfen Mas und sein Parteienbündnis CiU allerdings kräftig nach.

Der in Katalonien regierende Parteienblock hatte schon unter seinem legendären Ex-Parteichef und Übervater Jordi Pujol (82) gerne Zwietracht gesät: „Katalonien ist eine Nation, Spanien nicht“, pflegte Pujol zu sagen.

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