• SPD-Spendenaffäre: Eine Frage der Ehre - Der SPD-Abgeordnete Eumann hat eine ominöse Quittung erhalten

Politik : SPD-Spendenaffäre: Eine Frage der Ehre - Der SPD-Abgeordnete Eumann hat eine ominöse Quittung erhalten

Jürgen Zurheide

"Wir verlangen von jedem Mandatsträger, dass er sauber ist." Diese Parole hatte der nordrhein-westfälische SPD-Chef Harald Schartau ausgegeben. Also wartete Schartau am Montag in der Landeszentrale auf letzte Meldungen aus Köln. Im Laufe des Tages waren noch einige der erwarteten Ehrenerklärungen seiner Parteifreunde eingetroffen. Sowohl der Kanzler wie Generalsekretär Franz Müntefering hatten ihn ausdrücklich ermuntert, den Spendenskandal auf diese Weise möglichst zu begrenzen. "Das unterscheidet uns von der CDU, wir klären auf und ziehen die notwendigen Konsequenzen", hatte Müntefering seinem CDU-Widerpart Laurenz Meyer genauso empört zurückgekabelt, der eine Entschuldigung der SPD-Generals wegen seiner Attacken auf Helmut Kohl gefordert hatte.

Schartau und der Generalsekretär der SPD in Düsseldorf, Michael Groschek, hatten sich zwar geschworen, der Linie des Kanzlers zu folgen. Aber gelegentlich überkamen sie Zweifel, ob man den harten Kurs wirklich durchhalten würde. Die SPD-Bundestagsabgeordneten aus Köln hatten die verlangte Erklärung relativ rasch unterschrieben in der Parteizentrale abgeliefert. Aber mit mehreren Genossinnen und Genossen hatten sie ihre liebe Mühe. Annelie Kever Henseler beispielsweise, die Landtagsabgeordnete aus der Domstadt, hatte sich wortreich dem Begehren von Schartau widersetzt. "Ich arbeite 30 Jahre für die Partei und habe mir nie etwas zu Schulden kommen lassen", argumentierte sie und verweigerte deshalb zunächst die Unterschrift.

Am frühen Abend melden Schartau und Groschek dann aber doch Vollzug: Bis auf den Landtagsabgeordneten Marc Jan Eumann haben alle 16 angeschriebenen Mandatsträger die nötige Erklärung unterzeichnet. "Der fühlt sich als trojanisches Pferd von Rüther missbraucht", erklärt Schartau dazu, denn Eumann glaubte die Spendenquittung für erbrachte Leistungen erhalten zu haben und will nichts von der Bareinzahlung gewusst haben. "Das soll jetzt eine Feststellungskommission klären, der wird Jürgen Schmude vorsitzen", beschließt das SPD-Landespräsidium am Abend. Jürgen Schmude war im Kabinett von Helmut Schmidt Justizminister. Von Norbert Rüther verlangt Schartau weitere Aufklärung: "Er lässt uns mit einem Scherbenhaufen zurück, er soll die Spender nennen". Insgesamt haben die Prüfer bisher 510 000 Mark an Spenden gefunden, die Rüther schwarz in die Parteikasse gespült hat.

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