SPD : Wie Martenstein Michelle entdeckte

Lutz Haverkamp über die Frau an Münteferings Seite

Lutz Haverkamp
Lutz Haverkamp, Ressortleiter Politik -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Bei „Bild“ und „Bunte“ hielten sie sich mal wieder für die ganz schnelle Truppe. „Sie ist sein neues Glück“, titelte das Boulevardblatt. „Neue Liebe für Franz Müntefering“ schreibt das Promi-Magazin im Internet und versieht es mit dem Hinweis „exklusiv“. Gemeint ist Michelle Schumann. Eine 29-jährige studierte Journalistin aus dem westfälischen Herne, seit zehn Jahren SPD-Mitglied und seit neustem die Neue an der Seite von SPD-Chef Franz Müntefering, 69.

Was die Medien verschweigen: Der jetzt viel gepriesenen Eleganz, der enormen Ausstrahlung und dem unvergleichlichen Liebreiz von Michelle verfielen zuallererst Bundesfinanzminister Peer Steinbrück – und Harald Martenstein, Redakteur beim Tagesspiegel. Wir zitieren hier aus einer Martenstein-Reportage anlässlich der letzten Bundestagswahl. Der Autor hielt sich bei einem Treffen der SPD-Unterorganisation „60 plus“ in Herne auf. Der Beitrag wurde in dieser Zeitung am 12. September 2005, Nummer 18 953, auf Seite 3 gedruckt. Überzeugte Tagesspiegel- Abonnenten werden die Ausgabe sicherlich noch zur Hand haben.

Martenstein schrieb: „Die vermutlich einzige richtig junge Person in drei Kilometern Umkreis heißt Michelle. Michelle trägt ein sehr sparsames Kleid, eine Textilie, die sich Hans Eichel beim Zuschnitt seines letzten Etats mal besser zum Vorbild genommen hätte. Außerdem ist sie die Organisationschefin. Hauptredner im Volkshaus ist der ehemalige Ministerpräsident Peer Steinbrück. Michelle scheint ihn irgendwie nervös zu machen. Peer Steinbrück sagt: „Die SPD hat nicht immer Recht. Bei Ikea hält auch nicht immer alles, mit Ausnahme von Billy Boy.“ Ich denke, nanu, das Ikearegal heißt doch nicht Billy Boy, Moment, Billy Boy ist doch eine Kondommarke, der Steinbrück ist ja völlig fertig. In der Diskussion geht die Diskussionsleiterin Michelle sehr streng vor. Als ein alter Herr etwas sagen möchte, ruft sie scharf ins Mikro: „Stehen Sie bitte auf!“ Der Alte kommt ächzend mal gerade eben hoch, dann sagt er, fast ein wenig spitz, zu Michelle: „Was sollen denn wir uns ’n Kopp machen um Probleme, die in 20 Jahren kommen.“ Steinbrück sagt nachdenklich: „In zehn Jahren ist Michelle Landesvorsitzende.“

Liebe Leser, was lernen Sie daraus? Mit dem Tagesspiegel verpassen Sie nichts. Über die Wahl von Michelle Schumann zur SPD-Landeschefin von Nordrhein-Westfalen im September 2015 werden wir Sie rechtzeitig unterrichten. Alles andere bleibt – natürlich – privat. lha

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