Politik : Spendenausschuss: "Bestechlichkeit hätte katastrophale Folgen für die CDU" (Interview)

Wird die Arbeit des Untersuchungsausschusses von d

Matthias Jung (43) ist seit 1991 Leiter der Forschungsgruppe Wahlen, die unter anderem jeden Monat das ZDF-Politbarometer erstellt.

Der Wahlforscher über die Auswirkungen der Affäre.

Wird die Arbeit des Untersuchungsausschusses von den Wählern positiv bewertet?

Das lässt sich zu einem Zeitpunkt, an dem die Arbeit noch nicht getan ist, nicht beantworten. Der Wert des Wählerurteils wird davon abhängen, ob der Untersuchungsausschuss Licht in die Affäre bringen kann.

Interessiert die Wähler die CDU-Spendenaffäre überhaupt noch?

Interessieren kann man nicht mehr unbedingt sagen, jedenfalls nicht im Sinne einer Hoffnung, noch wirklich Neues zu erfahren. Aber die Auswirkungen der CDU-Spendenaffäre haben auch Monate nach Bekanntwerden noch immer große Bedeutung für das Ansehen der CDU.

Erstaunlich ist ja, dass die Union in der Wählergunst aufgrund der Affäre nie wirklich eingebrochen ist. Hat Sie das überrascht?

Nun, sie ist schon eingebrochen, sogar massiv. Allerdings muss man dazu die Zahlen von 1999 vergleichen. Damals, im Jahr nach der Bundestagswahl, hatte die Union traumhafte Umfragewerte bis zu 50 Prozent. Und sie hat ja bei den Wahlen 1999 sehr gute Ergebnisse erzielt. Danach ist sie massiv abgestürzt und wieder auf dem Niveau von 1998 gelandet. Auf diesem Niveau scheint sie im Moment zu verharren. Nur hat die Bundestagswahl von 1998 für die Union ein katastrophales Ergebnis gebracht.

Wird die Affäre für die nächste Bundestagswahl noch einen entscheidenden Einfluss auf Wählerstimmen haben?

Die Affäre wird bei unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen Wirkung haben, insbesondere dann, wenn weitere Punkte ans Tageslicht kommen und womöglich etwas beweisbar wird, was in Richtung Bestechlichkeit der Kohl-Regierung geht. Das hätte katastrophale Auswirkungen. Aber die Union ist auch so latent eingeschränkt, weil sie praktisch aufgrund der Affäre blockiert ist und nicht in der Lage war, wirksame Oppositionsarbeit zu leisten. Das sind die indirekten Folgen, die vielleicht auch noch bei der nächsten Bundestagswahl zu spüren sind. Aber die Leute haben auch ihre Orientierungen verändert, sie sind flexibler geworden und ändern ihre politische Meinung häufiger. Das liegt daran, dass sich die Parteien inhaltlich stärker angenähert haben. Aber was entscheidend für die Bundestagswahl sein kann, kann man heute noch nicht sagen.

Schadet oder hilft der CDU eine Aussöhnung mit Kohl in der Wählergunst?

Das ist für die Union sehr ambivalent. Eine völlige Aussöhnung, also eine Schwamm-drüber-Taktik, würde der Union sehr schaden. Andererseits finden es viele Leute auch außerhalb der CDU unverständlich, dass im Kontext der Einheitsfeier zum 3. Oktober derjenige, der am meisten damit zu tun hat, nicht berücksichtigt wird. Die CDU ist gut beraten, diese beiden Aspekte - historischer Verdienst und Verfehlung - sauber von einander zu trennen.

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