Politik : Stadion-Affäre belastet Olympia-Pläne

Politiker und Funktionäre warnen vor Folgen des Münchner Skandals für Leipzigs Bewerbung und die Fußball-WM

Robert Ide,Robert von Rimscha

Berlin. Politiker und Sportfunktionäre haben eine unverzügliche Aufdeckung des Bestechungsskandals um das neue Münchner Fußballstadion gefordert. „Die schockierenden und sehr schwer wiegenden Korruptionsvorwürfe müssen umfassend aufgeklärt werden“, sagte Innenminister Otto Schily (SPD). Er warnte davor, dass „ein Schatten auf die Ausrichtung der Fußball- Weltmeisterschaft 2006 fällt“. Der Chef des Nationalen Olympischen Komitees, Klaus Steinbach, wies auf die Folgen für Leipzigs Bewerbung um die Olympischen Spiele 2012 hin. „Die Glaubwürdigkeit Deutschlands steht auf dem Spiel“, sagte Steinbach dem Tagesspiegel. Von Robert Ide und Robert von Rimscha

Auch Franz Beckenbauer, Chef des WM-Organisationskomitees, fürchtet um das Image der deutschen Organisatoren. „Es wird etwas hängen bleiben, die Schlagzeilen gehen in die ganze Welt“, sagte Beckenbauer, der auch Aufsichtsratschef des Fußball-Bundesligisten FC Bayern München ist.

Der Präsident des Bundesligisten TSV 1860 München, Karl-Heinz Wildmoser, und sein gleichnamiger Sohn waren am Dienstag unter dem Verdacht der Untreue, Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung verhaftet worden. Sie haben nach Ansicht der Staatsanwaltschaft beim Bau des neuen Stadions „Allianz-Arena“ die Baufirma Alpine bevorzugt und dafür über zwei Strohmänner Schmiergeld in Höhe von 2,8 Millionen Euro bekommen. Wildmoser junior ist Geschäftsführer der Münchner Stadiongesellschaft, bei der die Fußballvereine 1860 und FC Bayern Gesellschafter sind. In der Arena, die sich derzeit im Bau befindet, sollen sechs Spiele der Fußball-WM 2006 stattfinden, darunter das Eröffnungsspiel.

Politiker warnten vor den Auswirkungen der Affäre auf die deutschen Olympia-Pläne. „Ich glaube, dass die Bewerbung Leipzigs unter dem Münchner Skandal leiden wird“, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses, Peter Danckert (SPD). Im Mai entscheidet das Internationale Olympische Komitee, ob sich die sächsische Stadt für die Endauswahl qualifiziert. Bei der erwarteten knappen Entscheidung werde in die Abwägung aller Vor- und Nachteile eines deutschen Austragungsortes auch der Stadionskandal einfließen, sagte Danckert. Schließlich handele es sich bei Wildmoser um „einen führenden Repräsentanten des deutschen Fußballs“. Steinbach, der Aufsichtsratschef der Leipziger Bewerbungsgesellschaft ist, ergänzte: „Wir brauchen eine schnelle Aufklärung im Interesse des Landes und des Sports.“ Die Führung des Fußball-Weltverbandes Fifa ließ sich am Mittwoch über die Affäre informieren.

Aus der Untersuchungshaft ließ Wildmoser senior über seinen Anwalt erklären, dass er seine Ämter beim TSV 1860 ruhen lassen wolle. Der Verein lehnte das allerdings ab. Der frühere bayerische Minister Hans Zehetmair (CSU) erklärte sich „grundsätzlich bereit“, die Klubführung zu übernehmen.

Einer der vier Verhafteten wurde nach einem Geständnis freigelassen. Wildmosers Anwälte erklärten, der Zeuge und Wildmoser junior hätten ausgesagt, der Vereinspräsident „hat nichts gewusst“. Die Staatsanwaltschaft bezweifelte das und ließ die Vermögen von Vater und Sohn vorerst sperren.

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