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Standortschließung : Hauptstadtregion profitiert von der Bundeswehrreform

National werden 31 von 380 Bundeswehrstandorten geschlossen. Stabsbereiche aus Bonn ziehen nach Berlin, ein wichtiger Fliegerhorst in Brandenburg bleibt erhalten.

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31 von 380 Bundeswehrstandorten sollen geschlossen werden. Besonders strukturschwache Regionen fürchten Schließungen.
31 von 380 Bundeswehrstandorten sollen geschlossen werden. Besonders strukturschwache Regionen fürchten Schließungen.Foto: dpa

Die Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg ist ein Gewinner bei der Bundeswehrreform, bei der bundesweit knapp 31 von 380 Standorten geschlossen werden. Die Einzelheiten des neuen Stationierungskonzeptes, das die Verkleinerung der Bundeswehr von 281.000 auf 197.000 Soldaten begleitet, gibt Verteidigungsminister Thomas de Maiziere (CDU) auf einer Presskonferenz am Mittag in Berlin bekannt.

Nach dem Tagesspiegel vorliegenden Unterlagen aus dem Verteidigungsministerium wird in Brandenburg keiner der bislang 15 Standorte geschlossen. In Schleswig-Holstein werden acht, in Rheinland-Pfalz fünf,  in Baden-Würrtemberg vier Standorte stillgelegt. Künftig hat Brandenburg 2,9 Soldaten je tausend Einwohner, vorher waren es 3,5. In Berlin bleiben es 1,5 Soldaten je tausend Einwohner.

Stabsbereiche aus Bonn, wo der erste Dienstsitz des Verteidigungsministeriums bleibt, werden in die Hauptstadtregion verlegt. Der Inspekteur des Heeres soll seinen neuen Sitz im  ostbrandenburgischen Strausberg nehmen, das Kommando der Luftwaffe in Berlin-Gatow. In der Bundeshauptstadt, wo die Bundeswehr bislang 5190 Dienstposten hatte, werden es künftig 4970 Dienstposten sein.

Die größte Erleichterung aber gibt es in Brandenburg über die Rettung des Bundeswehr-Fliegerstandortes Holzdorf im Süden des Landes, der im Dreiländereck zwischen Brandenburg, Sachsen und Sachen-Anhalt liegt und als besonders bedroht galt. Er wird leicht verkleinert, von bisher 1810 Dienstposten auf künftig 1680 Dienstposten. Entgegen frühen Planungen im Verteidigungsministerium sollen die neuen Hubschrauber  der Luftwaffe CH 53 doch hier stationiert werden. Der nordrhein-westfälische Standort Rheine, der als Konkurrent von Holzdorf galt, wird stillgelegt. Für Holzdorf hatten sich die Landesregierungen von Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt eingesetzt.    

Um Holzdorf zu retten, hatte die Platzeck-Regierung - die einzige rot-rote in Deutschland - sogar frühere CDU-Kanäle aktiviert. Auf Bitten von SPD-Innenminister Dietmar Woidke setzte sich auch die brandenburgische CDU-Bundestagsabgeordnete Katherina Reiche, parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, für den Standort ein.

Ganz ungeschoren bleibt aber auch Brandenburg nicht. Am härtesten trifft es Strausberg, wo der Personalbestand von bisher 2280 auf künftige 1060 Dienstposten mehr als halbiert wird. Das dort bisher ansässige Luftwaffenausbildungsregiment wird abgezogen. Es war ursprünglich für eine Verlegung nach Wittstock vorgesehen, wo die Bundeswehr lange Zeit den früheren russischen Truppenübungsplatz als Übungsgelände der Luftwaffen reaktivieren wollte. Diese Pläne musste sie nach erbittertem Widerstand der Bevölkerung aufgeben.

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