Starker Rückhalt in der CDU : Angela Merkel trotz Flüchtlingspolitik unangefochten

81 Prozent der CDU-Mitglieder wollen, dass die Bundeskanzlerin zur nächsten Wahl wieder antritt. Angela Merkels Rückhalt ist größer, als ihre Kritiker glauben machen.

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Angela Merkels Rückhalt in der CDU ist größer, als die Kritiker glauben machen wollen. Foto: Jens Büttner/dpa
Angela Merkels Rückhalt in der CDU ist größer, als die Kritiker glauben machen wollen.Foto: Jens Büttner/dpa

Angela Merkel, liest und hört man dieser Tage oft, verliere wegen ihrer Flüchtlingspolitik an Rückhalt in der CDU. Belegt wird das gerne mit zornigen Zitaten einzelner Funktionäre, Widerworten bei Fraktionssitzungen oder kritischen Stimmen bei einer „Zukunftskonferenz“. Da kann leicht der Eindruck entstehen, die Kanzlerin sei von ihrer Partei schon verlassen. Doch zwei nüchterne Zahlenwerke zeigen ein anderes Bild.

Das eine ist die Mitgliederstatistik. Dem Konrad-Adenauer-Haus lagen am Mittwoch die Zahlen für den September vor, in dem die Flüchtlingskrise zum bestimmenden Thema wurde. Danach hatte die Partei zum Monatsende 449.735 Mitglieder, 957 weniger als im August. Ein auffälliger Rückgang ist das nicht – wie alle Parteien verliert die CDU konstant Mitglieder, im langjährigen Mittel 1,75 Prozent pro Jahr. Auch die Einzelstatistiken der Landesverbände liegen im Normalbereich. So verlor die CDU im Pegida-Land Sachsen im Saldo in diesem Monat 42 Mitglieder.

Mehrheit unterstützt Flüchtlingspolitik

Noch interessanter wird das Bild, wenn man Eintritte und Austritte getrennt betrachtet und von den Austritten redlicherweise die Todesfälle abzieht. Im Krisenmonat September haben 1525 Mitglieder ihr Parteibuch zurückgegeben – das sind 696 mehr als im August, ein recht hoher Wert. Zugleich sind 1135 Bürger in die CDU eingetreten – 529 mehr als im August, ein ungewöhnlich hoher Wert. In der Flüchtlingskrise gewinnt Merkels Partei fast so viele Neumitglieder, wie ihr alte den Rücken kehren.

Wer bei CDU-Mitgliedern konkret nach der Flüchtlingspolitik fragt, wie es das Institut Forsa vorige Woche im Auftrag des „Stern“ gemacht hat, bekommt ein ähnlich differenziertes Bild. Danach unterstützt eine Mehrheit von 57 Prozent der CDU-Mitglieder Merkels freundliches Gesicht; immerhin einem Drittel ist die Grenz-Rhetorik von CSU-Chef Horst Seehofer lieber. Das ändert nichts daran, dass 82 Prozent der CDU-Mitglieder mit der Arbeit der Parteichefin und sogar 86 Prozent mit der Arbeit der Regierungschefin zufrieden sind.

Merkel alternativlos

Für die Wahl 2017 sieht ihre eigene Partei ohnehin keine Alternative: 81 Prozent finden, Merkel muss wieder antreten. Zumal sich kein Nachfolger aufdrängt: Dass Kabinettssenior Wolfgang Schäuble in dieser Umfrage mit 33 Prozent zum Favoriten für den Fall wird, dass Merkel nicht mehr mag, spricht Bände; ihm folgen in kurzem Abstand Ursula von der Leyen und Parteivize Julia Klöckner.

Merkels Rückhalt in der CDU ist also derzeit größer, als die Kritiker glauben machen wollen, die schon seit Wochen „die Stimmung kippen“ wähnen.

Natürlich sind das Momentaufnahmen. Wenn Helfer, Städte und Gemeinden an die Grenzen geraten, kann der Gegenwind für Merkel rasch auffrischen. Aus NRW kommt dieser Tage schon ein Hilferuf. 215 Bürgermeister melden in einem Brief an die Kanzlerin, ihre Kapazitäten zur Aufnahme neuer Flüchtlinge seien praktisch erschöpft. Das zeigt die Dramatik der Lage. Aber zur ganzen Wahrheit gehört, dass es im größten Bundesland knapp 400 Städte und Gemeinden gibt. Die andere Hälfte der Bürgermeister kommt also offenbar noch klar.

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